Ungeachtet ihrer äußerst schwierigen Lage wollen die letzten ukrainischen Kämpfer im belagerten Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol nicht aufgeben. „Kapitulation ist keine Option für uns, weil Russland kein Interesse an unserem Leben hat“, sagte Illja Samojlenko vom Asow-Regiment am Sonntag bei einer Online-Pressekonferenz, bei der er eigener Aussage zufolge aus dem Inneren des Werks zugeschaltet war. Er und die anderen Kämpfer würden das Stahlwerk weiter gegen die russische Armee verteidigen, versicherte der Offizier. „Wir brauchen die Unterstützung der ganzen Welt.“

Übereinstimmenden Angaben aus Kiew und Moskau zufolge wurden am Samstag die letzten Frauen und Kinder sowie ältere Zivilisten vom Werksgelände in Sicherheit gebracht. Sie waren zuvor wochenlang eingeschlossen, nachdem Russlands Armee mithilfe prorussischer Separatisten die Stadt am Asowschen Meer weitgehend eingenommen und das Stahlwerk umzingelt hatte. Beobachter gehen davon aus, dass Moskau das Werksgelände nun so schnell wie möglich einnehmen will, um die vollständige Eroberung Mariupols verkünden zu können.

„Heldentum entsteht, wenn Planung und Organisation versagt haben“

Der ukrainische Kämpfer Samojlenko kritisierte unterdessen auch die ukrainische Führung: „Unserer Regierung ist es nicht gelungen, Mariupol zu verteidigen. Es ist ihr nicht gelungen, die Verteidigung vorzubereiten.“ Dass die letzten in Asow-Stahl verschanzten Kämpfer des von Nationalisten dominierten Asow-Regiments nun als Helden gefeiert würden, sei für sie kein Grund zur Freude, meinte er: „Heldentum entsteht, wenn Planung und Organisation versagt haben.“

Mariupol ist seit Wochen praktisch vollständig unter russischer Kontrolle. Ukrainische Truppen sind rund 100 Kilometer entfernt und nicht in der Lage, den verbliebenen Soldaten in der zu großen Teilen zerstörten Stadt zu helfen.