Für seinen Protest gegen den Teersandabbau in Kanada hat der frühere Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel heftige Kritik geerntet. Sonya Savage, die Energieministerin der kanadischen Provinz Alberta, warf dem 34-Jährigen bei Twitter Scheinheiligkeit vor: „Ich habe im Laufe der Jahre schon viel Heuchelei erlebt, aber das hier ist der Gipfel. Ein Rennfahrer, der von Aston Martin gesponsert und von Saudi Aramco finanziert wird, beschwert sich über Teersandabbau.“

Dazu hatte Vettel vor der Saison einmal gesagt, dass es auf der Hand liege, „dass sich die Ölkonzerne insgesamt die Frage stellen müssen, wie sie die Zukunft gestalten wollen und müssen. Ich glaube, das kann eine Chance sein, hoffentlich ein bisschen Einfluss zu nehmen, um die Dinge ein bisschen ins Bessere zu wandeln.“

Vettel hatte am Freitag bei seiner Ankunft im Fahrerlager von Montreal ein T-Shirt getragen mit der Aufschrift „Stoppt den Teersandabbau - Kanadas Klimaverbrechen“. Auch trägt er am neunten Rennwochenende der Saison im Cockpit einen Helm mit entsprechender Botschaft.

Vettel: Teersandabbau „ein Horror für die Natur“

„Es ist ein Horror für die Natur. Das sollte nicht erlaubt sein“, hatte Vettel bei der Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Kanada (Sonntag, 20 Uhr MESZ/Sky) gesagt.

Savage gefiel die Kritik überhaupt nicht. „Anstatt die Teersand-Industrie zu verteufeln, die sich auf dem Weg zu einer Netto-Null-Emission befindet, könnten die Menschen ihren persönlichen Kohlenstoff-Fußabdruck verringern“, schrieb die 55-Jährige und machte einen provokanten Vorschlag: „Vielleicht ein Tretauto für die Formel 1?“

Laut Greenpeace unterscheidet sich die Gewinnung von Öl aus dem Ton- und Sandgemisch massiv von der herkömmlichen Förderung des Erdöls. Die Ölsandschicht befindet sich demnach in etwa 30 Metern Tiefe. Um dahin zu gelangen, wurden und werden Kanadas Urwälder gerodet und der Mutterboden abgetragen. Erst dann kann das Gemisch aus Sand, Lehm und teerähnlichem Öl aus dem Boden gehoben werden.

Vettel ist sich seines Handelns als Rennfahrer sehr bewusst. „Das, was ich mache, ist nicht sehr umweltbewusst und nicht nachhaltig. Also bin ich in der Hinsicht kein Vorbild - und kann unmöglich eins sein“, sagte er einmal in einem RTL-Interview. Dennoch gilt er als umweltbewusst. Er reist unter anderem zu manchen Rennen in Europa mit dem Zug, ins Fahrerlager von Melbourne kommt er per Rad.