Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist zu einem unangekündigten Besuch in die Ukraine gereist. Am Sonntag besuchte er den vom Krieg gezeichneten Kiewer Vorort Irpin, wie dessen Bürgermeister Olexandr Markuschin im Messengerdienst Telegram mitteilte. Trudeau sei gekommen, um „mit eigenen Augen all die Schrecken zu sehen, die die russischen Besatzer unserer Stadt angetan haben“, schrieb Markuschin.

Nach Angaben seines Büros wollte Trudeau während seines Aufenthalts in der Ukraine auch Präsident Wolodymyr Selenskyj treffen, um „die unerschütterliche Unterstützung“ Kanadas „für das ukrainische Volk“ zu bekräftigen.

Markuschin erklärte, Trudeau habe während seines Besuchs „ausgebrannte und komplett zerstörte Häuser von Bewohnern Irpins“ gesehen. Diese hätte noch „bis vor kurzem das Leben genossen und Zukunftspläne gehabt“, betonte der Bürgermeister, der dem kanadischen Premierminister „aufrichtig“ für seine Unterstützung für die Ukraine dankte.

Das nordwestlich von Kiew gelegene Irpin ist neben Butscha und Borodjanka zu einem der Symbole für die Grausamkeit des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine geworden. Die russische Armee hatte sich Ende März aus dem Großraum Kiew zurückgezogen, anschließend wurden dort zahlreiche Leichen von Zivilisten gefunden. Kiew beschuldigt die russische Armee, die Massaker begangen zu haben. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat Ermittlungen zu den mutmaßlichen Kriegsverbrechen eingeleitet.