Berlin - Das Urteil im Prozess gegen einen Lehrer wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht verzögert sich. Weil die Verteidigerinnen am Mittwoch weitere Beweisanträge gestellt haben, zieht sich die Verhandlung am Berliner Landgericht bis in das nächste Jahr. Sollte die Strafkammer den Anträgen nicht nachkommen, würden die Plädoyers für den 7. Januar anstehen, kündigte der Vorsitzende Richter am inzwischen 22. Verhandlungstag an.

Der 42 Jahre alte Angeklagte Stefan R. soll im September 2020 in seiner Wohnung in Berlin-Pankow einen 43-Jährigen umgebracht haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu essen. Der Deutsche habe das Opfer laut Anklage wenige Stunden zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt. Die Leiche habe er zerstückelt und Teile an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt.

Der seit rund vier Monaten laufende Prozess war zuletzt im Streit um ein weiteres rechtsmedizinisches Gutachten ins Stocken geraten. Die Anwältinnen des Lehrers hatten Zweifel an der Sachkunde von zwei Sachverständigen geäußert und erfolglos die Einholung eines weiteren Gutachtens zu forensisch-toxikologischen Fragen gefordert. Diesen Antrag wiederholten sie nun.

Rechtsmediziner Tsokos: Der Tote blutete offenbar aus

In einem ersten rechtsmedizinischen Gutachten hieß es, eine Todesursache sei letztlich nicht feststellbar. Dagegen hatte Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Berliner Charité im Prozess erklärt, der gefundene Torso des Verstorbenen habe „außergewöhnlich blass und blutarm“ ausgesehen. Er sei wahrscheinlich zu Lebzeiten „ausgeblutet aus einem großen Gefäß wie beispielsweise einer Halsschlagader.“ Laut Untersuchungen hatte der 43-Jährige kurz vor seinem Tod die Droge Liquid Ecstasy (GHB) sowie weitere Substanzen konsumiert und war deshalb in seiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigt.

Der Angeklagte hatte den Vorwurf einer Tötung zurückgewiesen. Nach einem Sex-Treffen habe der Mann allein im Wohnzimmer seiner Wohnung übernachtet, erklärte der Lehrer über seine Verteidigerinnen. Als er ihn am Morgen gefunden habe, sei der 43-Jährige tot gewesen. In Panik habe er sich entschlossen, die Leiche verschwinden zu lassen.