Berlin - In einem Fall von mutmaßlichem Kannibalismus in Berlin begann am Dienstagmorgen (9.30 Uhr) am Landgericht der Hauptstadt der Prozess gegen einen 41 Jahre alten Lehrer. Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er soll im September 2020 einen 43 Jahre alten Mann umgebracht haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu verspeisen. Der Deutsche habe das Opfer laut Ermittlungen nur wenige Stunden zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer „sadistisch-kannibalistisch geprägten sexuellen Tatmotivation“ aus. Es hätten sich keine Hinweise dafür ergeben, dass das Opfer in seine Tötung „eingewilligt“ habe. Die Leiche soll der Lehrer anschließend noch in seiner Wohnung in Berlin-Pankow zerteilt und Leichenteile an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt haben.

Die Tat sei „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“ und auf „bislang nicht bekannte Weise“ geschehen, hatte die Staatsanwaltschaft nach Anklageerhebung im Mai mitgeteilt. Der Lehrer hatte sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Knochenfunde in Berlin-Pankow deckten Verbrechen auf

Das Opfer, ein Monteur im Hochleitungsbau, hatte laut Ermittlungen seine Wohngemeinschaft am 5. September kurz vor Mitternacht verlassen. Er kehrte nicht mehr zurück. Wochenlang galt der Mann als vermisst. Das mutmaßliche Verbrechen kam am 8. November ans Licht, nachdem menschliche Knochenteile in einem Waldstück im Ortsteil Buch von Berlin-Pankow entdeckt worden waren.

Ermittlungen, bei denen Personen- und Leichenspürhunde eingesetzt wurden, führten später zu dem 41-Jährigen. Bei der Fahndung sei auch der Chatverlauf der Männer ausgewertet worden, so die Polizei. Laut Rekonstruktion der Ermittler hatten sich die beiden Männer am 6. September online über ein Datingportal kennengelernt und noch am selben Tag getroffen. Das spätere Opfer fuhr mit einem Taxi zur Wohnung des Verdächtigen. Auch der Taxifahrer sei befragt worden.

Verteidigerinnen des Lehrers beantragen Unterbrechung des Verfahrens

Der Lehrer R. befindet sich seit November in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind 18 Tage bis Mitte Oktober geplant. Während der Verlesung der Anklage saß R. aufrecht und ausdruckslos im grün-karierten Kurzarmhemd auf der Anklagebank. Seine beiden Verteidigerinnen teilten mit, dass sich R. vorerst nicht einlassen werde. Sie beantragen außerdem, das Verfahren wegen unvollständiger Akten zu unterbrechen. Nach Ansicht der Verteidigung legte die Staatsanwaltschaft der Kammer nicht alle Akten vor.

Der Vorsitzende Richter verkündete, das Gericht werde dies prüfen, und hob den für Donnerstag geplanten Fortsetzungstermin auf. Stattdessen soll nun am Dienstag kommender Woche weiter verhandelt werden.

Fall erinnert an „Kannibalen von Rotenburg“

Das Berliner Mordverfahren erinnert an ein spektakuläres Verbrechen in Deutschland aus dem Jahr 2001, das als Fall des „Kannibalen von Rotenburg“ bekannt geworden ist. Der Computertechniker Armin Meiwes hatte sein späteres Opfer über eine Kontaktanzeige in einem Internet-Forum kennengelernt. Er schnitt im März 2001 seinem Berliner Internet-Bekannten auf dessen ausdrückliches Verlangen hin zunächst den Penis ab. Später erstach er den Ingenieur und aß ihn teilweise auf. Das Strafverfahren endete mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Auch in Berlin gab es bereits einen Mordprozess mit Kannibalismus-Verdacht. Ein Mann aus Berlin-Neukölln hatte seinen Sexualpartner getötet und zerteilt. Das Fleisch aß er allerdings nicht.