Berlin - Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach findet auf Twitter erneut deutliche Worte zur Corona-Lage in Deutschland. „Es rasen zwei Züge aufeinander zu: 3. Welle hat begonnen, ist nicht mehr zu stoppen“, schrieb der Arzt dort am Sonntag. Er ist zudem der Ansicht, die britische Virus-Mutation B.1.1.7. werde sich in Deutschland vollends durchsetzen. 

„Auf der anderen Seite wollen jetzt alle Menschen endlich Lockerungen. Wie kann man verhindern, dass wir in 3. Welle hineinlockern?“, fragt Lauterbach. Das funktioniere nur, wenn die Impfstrategie geändert und zwei Maßnahmen kombiniert würden. Zum einen müsse die Erstimpfung aller Impfstoffe vorangetrieben werden – sie verhindere mehr als 80 Prozent der Krankenhausaufenthalte. „Dazu muss Astrazeneca auch für Ältere eingesetzt werden. Dort ist das Risiko“, schrieb Lauterbach. Der Astrazeneca-Impfstoff war von der Ständigen Impfkommission erst einmal nur für Menschen von 18 bis 64 Jahren empfohlen worden.

Lauterbach: „Söders Vorschlag ‚Astra für alle‘ ist falsch“

An dem Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) bezüglich des Astrazeneca-Impfstoffs äußerte Karl Lauterbach Kritik. Söder hatte angeregt, Hunderttausende ungenutzte Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs aus den Depots der Bundesländer zur Impfung für alle freizugeben. Söder sagte der Bild am Sonntag: „Bevor er liegen bleibt: impfen, wer will. Es darf keine Dose von Astrazeneca übrig bleiben oder weggeschmissen werden.“ Es könne nicht sein, dass einerseits zu wenig Impfstoff vorhanden sei, aber andererseits Astrazeneca-Vakzin „in hohen Zahlen nicht verimpft wird“.

Lauterbach schrieb dazu: „Söders Vorschlag ‚Astra für alle‘ ist falsch. Wenn wir ihn für Ältere einsetzen, bleibt kein Impfstoff liegen und zahlreiche Todesfälle werden verhindert. Bei Jüngeren ist er jetzt weniger dringlich.“ Der Gesundheitsexperte fordert, Astrazeneca sofort für alle Menschen unter 65 in den ersten drei Prioritätengruppen der Impfverordnung zur Verfügung zu stellen.

Für Öffnungen sieht Lauterbach folgende Strategie als richtig an: In Betrieben und Schulen solle einmal pro Woche ein Antigentest durchgeführt werden. „Am Tag des Tests darf man in Geschäfte mit Vorlage der Bescheinigung“, schlägt Lauterbach vor. Wer weder in der Schule noch im Betrieb getestet werden könne, solle zu einem Testzentrum gehen. Wenn genug Antigentests verfügbar seien, solle die Testung auf zweimal pro Woche ausgedehnt werden. Dann könne man an zwei Tagen in die Geschäfte. „Mit der Strategie sinkt der R-Wert auf unter 1 selbst für B.1.1.7.“, so Lauterbach.