Berlin - Ein Gruppenbild der SPD-Fraktion im Bundestag, auf dem die Politiker weder Abstände einhielten noch Maske trugen, hat für erhebliche Diskussionen gesorgt. Die SPD musste sich einige Kritik gefallen lassen.  SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach war einer der wenigen, der mit Maske zu sehen war. Viele fragten sich in den sozialen Medien: Ist Corona jetzt vergessen? Hat die SPD die Pandemie jetzt beendet?

In der Bild-Sendung „Viertel nach Acht“ verteidigte Lauterbach seine Fraktionskollegen. Es sei nur ein „ganz kurzer Moment“ gewesen und die Fraktion sei „geimpft und getestet. Von daher bestand kein Risiko“.

Die Moderatorin äußerte den Vorwurf, dass die Politiker damit das falsche Bild senden würden und in vielen Schulen weiterhin eine strenge Maskenpflicht herrschen würde. Lauterbach entgegnete: „Wenn jetzt ein Klassenfoto gemacht würde ohne Maske, wenn es draußen wäre beispielsweise, hätte ich da null Probleme mit.“ Man müsse die Regeln „mit Verstand machen“.

Lauterbach: Wir haben Corona noch nicht im Griff

Indessen warnt Lauterbach weiter vor einer Corona-Welle im Herbst und Winter und fordert eine strikte 2G-Regel. „Immer noch sind 30 Prozent der Unter-60-Jährigen nicht geimpft. Wir unterschätzen diese enorme Zahl. Sie ist zu hoch, um einen Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern. Das Virus wird sich weiter ausbreiten in der kalten Jahreszeit, in der sich das Leben wieder in geschlossene Räume verlagert“, sagt Lauterbach dem Kölner Stadt-Anzeiger.

„Die Menschen denken, wir hätten das Virus im Griff, das Gegenteil ist der Fall: Die Probleme sind nicht gelöst.“ Unterschätzt würden auch die Durchbruchinfektionen. Lauterbach verweist auf eine aktuelle amerikanische Studie, die zeigt, dass infizierte Geimpfte die gleich hohe Viruslast tragen wie Nicht-Geimpfte und damit gleich ansteckend sind. Um „gut durch den Winter zu kommen“ plädiert Lauterbach für „eine Kombination von strikter Einhaltung der 2G-Regeln (genesen oder geimpft), konsequentem Testen und Impf-Anreizen auch mittels einer besseren medizinischen Aufklärung“.