Berlin - Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält das Finale des Eurovision Song Contest in Rotterdam vor Live-Publikum für ein falsches Signal. „Konzerte mit 3500 Zuschauern können wir uns noch nicht leisten, dafür ist es noch zu früh“, sagte der SPD-Politiker im Gespräch mit ZDF-heute. Es zeichne „ein falsches Bild“ davon, wo man in der Pandemie aktuell stehe.

Beim Finale des 65. Eurovision Song Contest treten am Samstagabend Interpreten aus 26 Ländern auf – ab 21 Uhr in der Ahoy-Halle vor rund 3500 Fans. An den Bildschirmen werden bis zu 200 Millionen Zuschauer erwartet. Für Deutschland tritt Jendrik (Startnummer 15) mit „I Don’t Feel Hate“ an. Die Show findet unter strikten Bedingungen statt. Alle Besucher müssen ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen, genauso wie Künstler und Mitarbeiter.

Lauterbach wisse nicht, welche Rückschlüsse sich aus dem ESC darüber ergeben sollten, wie solche Veranstaltungen in Zukunft ablaufen könnten. Für Konzerte in Innenräumen sieht Lauterbach im Sommer noch keine Möglichkeit – im Freien hingegen schon.

Das sind die Favoriten in Rotterdam

Die Zuschauer erwartet eine Show der Superlative mit vielen guten Nummern und einigen Favoriten: Musikalisch stark ist Gjon’s Tears aus der Schweiz mit seiner Ballade „Tout l’Univers“ – ähnelt aber sehr dem ESC-Sieger von 2019, dem Niederländer Duncan Laurence („Arcade“).

Ebenfalls fast ohne Technik-Effekte kommt die Französin Barbara Pravi aus. Sie ist in aller Einfachheit elegant und raffiniert und erinnert an Edith Piaf. Ihr Chanson „Voilà“ könnte Zuschauer und Jurys umhauen. Malta dagegen bringt Frauen-Power im Glitzerlook – und wie: Destiny ist mit ihrem Power-Pop und Superstimme Liebling der Buchmacher. Aber hohe Werte erzielt auch Hardrock aus Italien, Måneskin mit „Zitti e Buoni“.

Natürlich fehlt auch bei dieser Ausgabe des ESC nicht die Dramatik: Lichteffekte, Videos, Dampf und Feuerwerk, schwebende Bühnen, aufpeitschende Beats und akrobatische Tänzer. Und fürs Auge gibt es genug. Allein fünf Länder schicken Frauen im Silber-Glitter-Look mit knappen Kleidchen auf die Bühne. Aus Serbien, Moldau und Albanien kommt klassischer Power-Pop mit viel Haar und Drama. Zypern schickt Lady-Gaga-Lookalike Elena Tsagrinou.

Der vielleicht spannendste Act kommt aus der Ukraine. Aufpeitschender Elektro-Folk, der sich überraschend hoch platzieren könnte. Mit einer rhythmischen Soul-Nummer geht Jeangu Macrooy für Gastgeber Niederlande ins Rennen.

Aus dem Glitzer-Glamour-Rahmen fallen Belgien und Portugal mit ruhigen Nummern. Litauen und Island könnten mit ihren fröhlichen und ironisch anmutenden Acts ganz oben landen. Island kann jedoch wegen eines Corona-Falls im Team nur mit einem Video teilnehmen.

Deutschland werden kaum Chancen eingeräumt. Jendriks fröhlicher Anti-Hass-Song mit Ukulele wird wahrscheinlich von der Hardrock-Gewalt aus Finnland direkt im Anschluss überrollt. Nach dem Auftritt aller 26 Acts können die Fernsehzuschauer in Europa ihr Votum abgeben, die Fach-Jurys haben bereits am Vorabend Punkte vergeben. Der Sieger wird gegen 1 Uhr Sonntagfrüh feststehen.