RadebeulDie Karl-May-Stiftung wird einen  seit rund 100 Jahren in der Sammlung des Karl-May-Museums bewahrten Skalp eines Indianerhäuptlings herausgeben. Das Kuratorium genehmigte den Vorstandsbeschluss, ihn zu rehumanisieren und aus ethischen Gründen freiwillig zurückzuführen, teilte Stiftungsvorstand Volkmar Kunze der Deutschen Presse-Agentur mit. Über die Entscheidung berichtete zuerst die „Sächsische Zeitung“.

Unter Rehumanisierung versteht man in dem Fall, dass der Skalp nicht mehr als Objekt mit Inventarnummer, sondern als Überrest eines verstorbenen Menschen bezeichnet wird. „Im juristischen Sinn handelt es sich weder um eine unrechtmäßige Erwerbung noch Aneignung in kolonialem Kontext“, sagte Kunze.

Die Sault Ste. Tribe of Chippewa Indians im US-Bundesstaat Michigan hatten 2014 um die Herausgabe des Skalps gebeten, den der Sammler und Mitbegründer des Karl-May-Museums, Patty Frank (1876-1959) vom Nachfahren eines Sioux-Häuptlings erworben haben will. Nach monatelangem Streit einigten sich die Stiftung und der Ojibwa-Stamm darauf, den Skalp gemeinsam zu erforschen.

Übergabe-Umstände werden noch geklärt

Die Kopfhaut konnte nicht genau einem indigenen Volk zugeordnet und auch keine konkrete Verwandtschaft zu diesem Stamm belegt werden, sagte Kunze. Daher erfolge die Rückführung der sterblichen Überreste aus ethischen Gründen gemäß der Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes zum Umgang mit menschlichen Überresten. Die Art und Weise der Übergabe an eine offizielle Vertretung der US-Regierung, die nur auf diplomatischem Weg möglich ist, sollen 2021 geklärt werden. „Es wäre gut, wenn wieder Ruhe einkehrt“, so Kunze.

Der Künstler Patty Frank, aus dessen Sammlung das Museum 1928 entstand, will den Skalp dem Ojibwa-Stamm 1904 ordentlich abgekauft haben. Wie er wirklich nach Sachsen kam, ist unklar. Der für seine Abenteuerromane bekannte Schriftsteller Karl May (1842-1912) lebte von 1888 bis zu seinem Tod am 30. März 1912 in Radebeul bei Dresden. 1928 eröffnete seine Witwe Klara das Museum auf dem Anwesen des Schriftstellers. Dort wird künftig nur noch der Schmuck des Skalps aufbewahrt.