Die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk hat sich in einem dramatischen Appell an die internationale Gemeinschaft gewandt, um die seit Tagen von russischen Truppen eingeschlossene Hafenstadt Mariupol zu unterstützen. „Helft Mariupol! Dort ist eine reale humanitäre Katastrophe“, sagte die 42-Jährige am Donnerstag per Videobotschaft.

Es sei zum wiederholten Male kein Hilfstransport in die Hafenstadt am Asowschen Meer zustande gekommen. „Weder Wasser, noch Medikamente oder Lebensmittel gelangten zu den Menschen, die sich unter totalem Beschuss mehrere Tage hintereinander befinden“, betonte die Ministerin. Im Gebiet Donezk sei der Fluchtkorridor von Wolnowacha nach Pokrowsk ebenso nicht zustande gekommen.

Parallel dazu seien zu anderen Städten erfolgreich humanitäre Korridore eingerichtet worden. „Aus den Städten Sumy, Trostjanez, Krasnopillja haben wir in Richtung Poltawa innerhalb der vergangenen zwei Tage mehr als 60.000 Menschen herausgebracht“, sagte Wereschtschuk. Das habe Frauen, Kinder, Behinderte und Alte betroffen. Ihr zufolge ist es zudem im Gebiet Charkiw gelungen, etwa 3000 Menschen aus der Stadt Isjum zu retten. Mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter seien zudem in die umkämpfte Kleinstadt gebracht worden.

„Aus den Städten Butscha, Irpin, Hostomel, Worsel und anderen im Gebiet Kiew wurden allein am gestrigen Tag etwa 20.000 Menschen evakuiert“, sagte die Vizeregierungschefin. Die Aktion werde fortgesetzt. Darüber hinaus seien in die Atomkraftwerksstadt Enerhodar mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter gebracht worden.

Vor zwei Wochen hatte Russland einen Krieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen. UN-Angaben nach wurden bisher mehr als 500 Zivilisten getötet. Kiew geht von weitaus höheren Opferzahlen aus. (dpa)