Bonn - Das Bundeskartellamt hat dem Discounter Kaufland erlaubt, bis zu 92 Real-Märkte zu übernehmen. Die Supermarkt-Kette Globus bekam die Freigabe für den Erwerb von bis zu 24 Real-Standorten, wie die Wettbewerbsbehörde mitteilte. Für Kaufland ist es die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte. Globus kommt in Deutschland mit 47 Warenhäusern auf einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro.

Das Unternehmen betreibt bisher bundesweit 670 SB-Warenhäuser und gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe, dem größten Lebensmitteleinzelhändler Europas. Ursprünglich hatte Kaufland sogar bis zu 101 Real-Filialen übernehmen wollen. Doch das lehnte die Behörde ab, da ihr zufolge ansonsten die Ausweichmöglichkeiten für Kunden und der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt worden wären.

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt sagte: „Wir wollen für die Verbraucherinnen und Verbraucher dort, wo sie einkaufen, genügend Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern erhalten. Deswegen erlauben wir Kaufland anstatt der 101 angemeldeten nur die Übernahme von bis zu 92 Real-Standorten.“ In Deutschland entfallen mehr als 85 Prozent der Umsätze im Lebensmittelhandel auf die vier führenden Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe.

Das Bundeskartellamt prüfte nicht nur die Auswirkungen der Übernahmen auf die Verbraucher, sondern auch die Effekte auf der Beschaffungsseite, wo sich die Händler und ihre Lieferanten gegenüberstehen. Mundt teilte mit, die Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl baue durch die Übernahmen zwar ihre starke Marktposition beim Einkauf weiter aus. Die Freigabe sei aber dennoch möglich gewesen, weil sich der Real-Eigentümer SCP im Gegenzug verpflichtet habe, eine nennenswerte Zahl von Real-Standorten an mittelständische Lebensmittelhändler zu veräußern.

Edeka-Antrag: Entscheidung im Februar

Damit gebe es weiterhin eine wichtige Absatzalternative für die Hersteller und Lieferanten von Lebensmitteln in Deutschland, so Mundt: „Nach dem Verlauf des Veräußerungsprozesses war nicht davon auszugehen, dass mittelständische Händler ohne die Einflussnahme des Bundeskartellamtes überhaupt Standorte hätten erwerben können.“

Kaufland will die Real-Märkte ab dem ersten Quartal 2021 Schritt für Schritt übernehmen. „In den kommenden Monaten werden wir die Märkte integrieren und als regionale Nahversorger für die Kunden erhalten“, sagte der Chef von Kaufland Deutschland, Ralf Imhof. Bis zu 12.000 Beschäftigte würden damit eine neue berufliche Perspektive erhalten, sagte er.

Der russische Real-Eigentümer SCP hatte die angeschlagene SB-Warenhauskette mit ihren rund 270 Märkten von der Metro im Frühjahr erworben, um sie zu zerschlagen und weiterzuverkaufen. Neben Kaufland und Globus beantragte Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka beim Bundeskartellamt die Übernahme von bis zu 72 Real-Filialen. Die Frist für eine Entscheidung durch die Behörde wurde kürzlich bis zum 22. Februar kommenden Jahres verlängert.