„Kein einfacher Mord“: Bröckelnde Fassade - Verzweiflung

Was bleibt noch, wenn die Ehe zerrüttet und der Job weg ist, wenn alles nur noch Lug und Trug ist? Als es praktisch keinen Ausweg mehr zu geben scheint, gesc...

HANDOUT - Nina (Laura Tonke)  versteht sich gut mit Viktor (Sebastian Becker).
HANDOUT - Nina (Laura Tonke) versteht sich gut mit Viktor (Sebastian Becker).Georges Pauly/NDR/ARD/dpa

Berlin-Alles vorbei. Die Ehe von Nina (Laura Tonke) und Paul (Felix Klare) ist am Ende. Sie wohnen zwar noch in einer stattlichen Hamburger Villa, aber Paul hat seine Stellung als Arzt verloren und arbeitet jetzt als Pharmavertreter. Währenddessen hilft Nina in einer Reinigung aus.

Die stark bröckelnde Fassade können sie nur mühsam vor ihrem kleinen Sohn Tim bewahren. Das ist der Ausgangspunkt für das Drama „Kein einfacher Mord“ an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten.

Bei einer zufälligen Begegnung lässt sich Nina auf einen Flirt mit dem Hockeytrainer ihres Sohnes, Viktor, ein. Sie geht mit zu ihm nach Hause. Dort wird sie von Viktor fast vergewaltigt. Als sie sich zur Wehr setzt, erschlägt sie ihn mit einer Trophäe. Paul wird Zeuge des Geschehens, er ist den beiden gefolgt. Überstürzt fährt das Ehepaar heim, ohne die Polizei zu verständigen. Kommissarin Märthesheimer (Barbara Philipp) kommt den beiden dennoch mit den Ermittlungen nahe. Das zerstrittene Paar muss notgedrungen ganz eng zusammenhalten.

Zunehmende Entfremdung

Regisseur Sebastian Ko (51, „Helen Dorn“) hat ein packendes Drama inszeniert (Buch: Stefan Rogall), das gnadenlos den Zerfall einer Familie offenlegt. Der Ehemann nimmt Tabletten, weshalb er nicht mehr als Arzt arbeiten darf und sich als Pharmavertreter verdingen muss. Derweil versucht seine Frau, einst erfolgreiche Hockeyspielerin, verzweifelt, die bürgerliche Fassade vor Freunden und Nachbarn aufrechtzuerhalten. Die Eheleute werden oft in Großaufnahme gezeigt, was ihre zunehmende Entfremdung umso größer erscheinen lässt.

Laura Tonke (48, „Jenseits der Spree“) spielt diese tief traurige und fast schon gefühlskalte Frau, die ungewollt einen Menschen totschlägt, nicht gerade als sympathische Figur - aber vortrefflich. Ihre Nina leidet noch immer an einer Frühgeburt, bei der sie ein Kind verloren hat. Erstaunlicherweise scheint sie sich gar nicht zu wundern, warum ihr Mann in jener verhängnisvollen Nacht plötzlich am Tatort aufgetaucht ist. So recht erklärt wird das auch nicht.

Felix Klare (44, „Tatort“) versucht als Paul alles, um seine kleine Familie zu retten. Er liebt seine Frau, deren Untreue er zu ahnen scheint - dabei ist auch er vollkommen ratlos, muss eine Arbeit erledigen, die er zutiefst verabscheut. Schließlich werden beide - unabhängig voneinander - einer strengen Vernehmung unterzogen, bei der sie sich nicht hören, jedoch über den Flur hinweg sehen können. Allein diese Szene ist schon so spannend, dass der Zuschauer wirklich hofft, die beiden mögen da heil herauskommen.