„Keine Fortschritte“: Industrie und Ökonom kritisieren Ergebnis der Klimakonferenz

Der Bundesverband der Deutschen Industrie bemängelt, dass die Wirtschaft am internationalen Klimaprozess nicht aktiv beteiligt wird. 

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. 
Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. dpa/Britta Pedersen

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht in den Ergebnissen der Weltklimakonferenz „kein gutes Zeichen“. Der Verband kritisierte am Sonntag in Berlin, dass verglichen mit der Vorgängerkonferenz „keine nennenswerte Fortschritte erzielt“ worden seien. Es sei „dringend erforderlich, dass viele Staaten ihre nationalen Minderungsbeiträge bis zur Klimakonferenz im kommenden Jahr nachschärfen“, erklärte der BDI am Sonntag. Nur so ließen sich die Klimaziele überhaupt noch erreichen.

Der Verband nannte es „besorgniserregend, dass wieder einmal die Rolle der Unternehmen auf den Klimakonferenzen in Frage gestellt wurde“. Der BDI betonte in seiner Erklärung: „Unternehmen sind wichtiger Teil der Lösung.“ Es sei zentral, „dass sich die Wirtschaft am internationalen Klimaprozess mit Blick auf Minderung, Anpassung und Klimafinanzierung aktiv beteiligen darf“.

Der Kompromiss zwischen Industrie- und Entwicklungsländern für einen Fonds zum Ausgleich klimawandelbedingter Verluste und Schäden sei ein Erfolg, erklärte der BDI. Mit Blick auf die Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sei es „dramatisch“, dass die Verhandlungen zur Klimafinanzierung und zur Klimaanpassung erneut hinter den Erwartungen der Entwicklungsländer zurückgeblieben seien. Hier müsse die Staatengemeinschaft bis zur Konferenz in einem Jahr nachbessern.

Klimaökonom Edenhofer zu UN-Konferenz: „So geht's nicht weiter“

Der Klimaökonom Ottmar Edenhofer hat das Ergebnis der Weltklimakonferenz in Ägypten kritisiert. Es sei zwar ein Scheitern verhindert worden, „das Ergebnis ist aber mager“, sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung am Sonntag dem Handelsblatt. Er fügte hinzu: „So geht's nicht weiter.“ Der Ausgleichsfonds für ärmere Länder, auf den sich die knapp 200 Staaten am Sonntagmorgen verständigt hatten, sei „sehr unkonkret“.

Es sei „noch völlig unklar, welche Länder einzahlen und welche Länder nach welchen Kriterien Gelder erhalten“. Wie der Fonds am Ende funktionieren solle, stehe „noch vollkommen in den Sternen“, kritisierte Edenhofer. Die nach langem Ringen beschlossene Abschlusserklärung der Weltklimakonferenz enthält die Weichenstellung für einen Fonds zum Ausgleich klimabedingter Schäden; Nutznießer sollen Entwicklungsländer sein.

Mit Blick auf den Kohleausstieg seien im Wesentlichen die Ergebnisse der Konferenz in Glasgow 2021 wiederholt worden. Das sei „kein echter Fortschritt“; aber immerhin hindere es niemanden daran, multilaterale Entwicklungsbanken dazu zu bringen, Kohlekraftwerke in Entwicklungs- und Schwellenländern aufzukaufen und stillzulegen.

Der Klimaforscher forderte außerdem, Entwicklungsbanken sollten in ärmeren Ländern Kreditausfallrisiken für die Finanzierung des Ausbaus erneuerbarer Energien übernehmen, um die Kapitalkosten zu senken. „Im Gegenzug müssen sich die Länder verpflichten, auf fossile Subventionen zu verzichten.“ Die Abschlusserklärung der UN-Klimakonferenz enthalte den Kern für solche Modelle, sagte Edenhofer.