Berlin - Ein Eis geht immer, schreibt Franziska Giffey auf ihrer Facebook-Seite. In dem Beitrag vom 1. Juli 2021 hat sie ein Foto gepostet, das sie an der Theke eines Eisladens in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg zeigt. Auffällig: Die Frau, die gerne Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will, trägt auf dem Foto keine Maske. Keine OP-Maske, keine FFP2-Maske, nicht mal einen Schal oder Ähnliches. Stattdessen strahlt sie mit einem Lächeln in die Kamera, das so manchen Werbetreibenden in der Zahnpasta-Industrie auf den Plan rufen dürfte. Dass man ihr Strahlen so gut sehen kann, weil sie eben keine Maske trägt, sorgt bei vielen Menschen für Verwirrung – denn offiziell gilt laut der derzeitigen Infektionsschutzverordnung in Berlin in dem Eisladen wie in vergleichbaren Geschäften Maskenpflicht. Haben der Eisladen oder Frau Giffey etwa eine Ausnahmegenehmigung? 

Um das zu überprüfen, sind wir ebenfalls zu dem Eisladen gefahren. Und wollten wissen: Gibt es aktuell tatsächlich ein Eisgeschäft, in dem man beim Anstellen, beim Bestellen oder beim Erstellen lustiger Andenkenfotos keine Maske tragen muss? Vor Ort stellt sich dann aber schnell heraus: Nix da, keine Ausnahme. Eis gibt's hier nur mit Maske! Die geltende Infektionsschutzverordnung wird auch zwischen Schoko-, Vanille- und (sehr leckerem) Milchschnitteneis ordentlich und mit der hierzulande gewohnten Gründlichkeit kontrolliert. 

Selbsttest: Darf man hier ohne Maske ein leckeres Eis kaufen? 

Am Eingang des kleinen Ladens hängt ein Schild, das eindeutig auf das verpflichtende Tragen einer FFP2-Maske hinweist. Und als ein Reporter sich todesmutig ohne den verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz in den Laden wagt, wird er nach wenigen Sekunden freundlich, aber sehr bestimmt angewiesen: Maske auf, der Herr! Somit ist zumindest klar, dass die Maskenpflicht hier weiter gilt und der von Franziska Giffey suggerierte Eindruck, die Zeit der allgegenwärtigen Mundbedeckungen sei vorbei, schlichtweg falsch ist.

Noch nicht geklärt hingegen ist die Frage, weshalb die SPD-Politikerin und Bürgermeisterkandidatin Giffey keine Maske trägt. Ihre persönliche Form von strahlendem Protest gegen die Maskenpflicht? Ein politisches Statement? Ausblick auf Lockerung oder gar Wegfall der Infektionsschutzverordnung auch im Hinblick auf Masken und Co., wenn Franziska Giffey wirklich Bürgermeisterin werden sollte? Eine Ausnahme, weil ...? 

BLZ
Ein Schild am Eisladen weist auf die Corona-Spielregeln und auch auf die FFP2-Masken-Pflicht hin.

Kein Doktortitel, keine Maske, kein schlechtes Gewissen?

Oder zeigt sich die wegen ihrer Doktorarbeit viel gescholtene Franziska Giffey einfach nur konsequent, ganz nach dem Motto: kein Doktortitel, keine Maske, kein schlechtes Gewissen? Die Möglichkeit, dass Frau Giffey  jetzt ein altes Foto aus vergangenen, noch maskenlosen Zeiten gepostet hat, ist zwar unwahrscheinlich, aber ebenfalls nicht ausgeschlossen. Auf anderen Fotos, die laut dem Facebook-Profil aktuell erstellt wurden und Giffey bei einem Rundgang durch Pankow zeigen, trägt sie zumindest dasselbe Kleid. Und in der Beschreibung der Seite heißt es: „Landesvorsitzende der SPD Berlin & Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl. Diese Seite wird von Franziska Giffey persönlich als Online-Tagebuch gepflegt.“

Doch selbst wenn das No-mask-Foto nicht aktuell sein sollte, hat Frau Giffey damit eine Diskussion auf ihrer Seite losgetreten, bei der vielfach verwundert gefragt wird, ob es denn keine Maskenpflicht mehr gebe und inwiefern Politiker eine Vorbildfunktion haben (sollten). Eine Anfrage an Franziska Giffey dazu haben wir selbstverständlich gestellt – sollten wir Antworten dazu bekommen, werden wir sie Ihnen, liebe Leser, selbstverständlich mitteilen.