Kinder am Gewehr: In Polen müssen Schüler schießen lernen

Die Ausbildung soll ähnlich dem Wehrunterricht sein, den viele polnische Eltern noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen.

Waffen liegen auf einem Tisch.
Waffen liegen auf einem Tisch.imago/Westend61

In Polen bekommen Schüler der 8. und 9. Klassen jetzt Schießtraining. Wie die ARD berichtet, sollen sich die Kinder so auf einen möglichen Verteidigungsfall vorbereiten. Das Schulfach, in dem die Unterrichtseinheit „Schießen“ gelehrt wird, nennt sich „Sicherheitsausbildung“. Zusätzlich absolvieren die etwa 14- bis 15-Jährigen einen Erste-Hilfe-Kurs. Zur Verteidigungsausbildung gehört der einmalige Besuch eines Schießstands.

Eine Wahl haben die Kinder nicht: Das Fach ist Pflicht. Eingeführt hat dies Bildungsminister Przemyslaw Czarnek von der PiS-Partei. Man müsse sich wehren, führt Czarnek zur Begründung der Maßnahme an. Die Ausbildung soll ähnlich dem Wehrunterricht sein, den viele polnische Eltern noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen.

Andere Schulinhalte mussten für „Sicherheitsausbildung“ weichen

Während seitens polnischer Erziehungsberechtigter kaum kritische Stimmen zu vernehmen sind, beklagt der polnische Lehrerverband, den Personalmangel und die Kosten, die anderswo dringender benötigt würden. Auch gebe es nicht genug Schießstände.

Damit die Unterrichtseinheit im straffen Lehrplan unterzubringen ist, mussten andere Inhalte weichen. Die Kinder erlernen jetzt weniger psychologische Kompetenzen wie zwischenmenschliche Kommunikation, heißt es. Dies nun kritisieren wiederum Psychologen.

So hält Psychologin Aleksandra Piotrowska von der Universität Warschau das Schießtraining für politische Stimmungsmache. Es werde versucht, „die Kampfstimmung beim Volk anzuheizen“. Es sei doch unrealistisch, „dass der Krieg darin besteht, dass wir mit unserem kleinen Gewehr herumlaufen, hinter einer Hausecke hervorkommen und auf den Feind schießen“, sagt Piotrowska.

Polens Bürger sollen Umgang mit der Waffe lernen

Polens Armee bietet unterdessen für alle Bürger im Alter zwischen 18 und 65 Jahren eine militärische Schulung an. Der eintägige Kurs umfasse den Umgang mit der Waffe, Schießtraining, Nahkampf sowie Orientierung im Gelände, teilte das Verteidigungsministerium am Montag in Warschau mit. Die Schulungen finden im Oktober und November jeweils samstags an 17 Standorten der polnischen Armee statt. Voraussetzung für die Teilnahme ist die polnische Staatsangehörigkeit.

Polen plant schon seit Längerem, die Zahl seiner Streitkräfte zu vergrößern. So wurde kürzlich ein freiwilliger Grundwehrdienst eingeführt. Auch die Mitarbeiter der polnischen Post sind aufgerufen, sich von Verbänden des Heimatschutzes (WOT) im Umgang mit der Waffe schulen zu lassen.

Gegenwärtig zählt die polnische Armee 110.000 Soldaten, hinzu kommen die 30.000 Männer und Frauen im Heimatschutz. Geplant ist eine personelle Aufstockung auf 250.000 Berufssoldaten und 50.000 Mitglieder des Heimatschutzes. Polen und die Ukraine verbindet eine mehr als 500 Kilometer lange Grenze.