Berlin - Vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie fordern die Kinderärzte eine rasche Öffnung von Schulen und Kitas. „Auch nach dem Auftreten von Virusmutationen bleibt es dabei, dass Kinder und Jugendliche keine Treiber der Pandemie sind“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonntag. „Deshalb können und müssen alle Schulen und die Kitas umgehend wieder geöffnet werden. Sie spielen im Infektionsgeschehen keine nennenswerte Rolle.“

Eine weitere Schließung der Schulen würde die Kollateralschäden für Kinder und Jugendliche massiv erhöhen, warnte Fischbach. Die psychischen, sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen seien nach einem Jahr im Corona-Ausnahmezustand jetzt im zweiten Lockdown noch stärker als im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr. Neben Vereinsamung, Depression, aggressivem Verhalten und innerfamiliären Konflikten sei auch eine Zunahme der Fettleibigkeit aufgrund von Bewegungsmangel zu beobachten. „Je länger der Lockdown dauert, desto massiver werden aller Voraussicht nach die Langzeitfolgen sein“, sagte Fischbach.

Kinderschutzbund will Unterricht in den Ferien und an Sonnabenden

Der Kinderschutzbund plädierte für Unterricht in den Ferien und an Sonnabenden, um schulische Defizite aufzuholen. „Es geht um eine große gesellschaftliche Aufgabe, da erwarte ich, dass die Lehrkräfte offen dafür sind. Deren Verbände können sich nicht jedes Mal verweigern“, sagte der Chef des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Lehrerinnen und Lehrer hätten zwar einen Urlaubsanspruch. „Aber Schulferien sind nicht gleichbedeutend mit Urlaub, das ist unterrichtsfreie Zeit. Ein kleiner Teil davon muss dann eben für den Unterricht genutzt werden“, sagte Hilgers.