Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums wird die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) falsch wiedergegeben. Bei der Einleitung für eine als „Entscheidungshilfe für Eltern und Sorgeberechtigte“ betitelte Broschüre heißt es: „Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff für alle Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 11 Jahren und ab 12 Jahren.“ Das ist falsch. In der zitierten Stiko-Empfehlung heißt es: „Eine allgemeine Impfempfehlung der STIKO für nicht vorerkrankte Kinder von 5-11 Jahren besteht derzeit nicht.“ Jetzt reagieren das Ministerium und die Stiko auf die widersprüchlichen Aussagen. 

Die Stiko empfiehlt die Impfung gegen Corona für Kinder derzeit nur für Kinder mit Vorerkrankungen oder mit Risikopatienten in ihrem Umfeld. Bei allen anderen Kinder stellt die Stiko es Eltern und Ärzten frei, ob sie sich für oder gegen eine Impfung zu entscheiden. In der aktuell gültigen Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung vom 17. Dezember 2021 heißt es dazu: „Die Covid-19-Impfung kann auch bei fünf- bis elfjährigen Kindern ohne Vorerkrankungen bei individuellem Wunsch von Kindern und Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten nach ärztlicher Aufklärung erfolgen.“ 

Screenshot BMG
„Möglicherweise etwas ungenau“: So gibt das Gesundheitsministerium die Stiko-Empfehlung wieder.

Für eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren fehlen laut Stiko-Chef Thomas Mertens die erforderlichen Daten. Mertens: „Die Datengrundlage für eine generelle Empfehlung ist im Augenblick aus Sicht der Stiko nicht gegeben.“ Es gebe somit „wissenschaftlich fundierte Gründe“, warum die Stiko „keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder von fünf bis elf Jahren herausgegeben“ habe.

BMG: „Möglicherweise etwas ungenau“

Das Bundesgesundheitsministerium erklärte auf Anfrage des Müncher Merkur, dass die zum Text gehörende Broschüre noch vor der Stiko-Empfehlung erstellt worden sei. Der zur Ippen-Gruppe gehörende Merkur zitiert einen Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums: „Der Anteasertext auf der Homepage ist möglicherweise etwas ungenau, das schauen wir uns noch einmal an.“

Stiko-Chef Mertens zeigte sich gegenüber dem Merkur „irritiert“ über die betreffende  Textpassage auf der offiziellen Seite des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Dem Merkur sagte Mertens: „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum das BMG diese Formulierung gewählt hat. Möglicherweise ist es eine vereinfachte Darstellung.“