Berlin - Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) lehnt die Verabreichung einer niedrigeren Dosierung des Erwachsenen-Impfstoffs an Kinder ab. Wie die Welt am Sonntag (WamS) berichtet, will die Bundesregierung auch grundsätzlich noch auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) warten, bevor es Kinder in der Altersgruppe fünf bis 11 Jahre gegen das Coronavirus impfen lässt. 

Das Ministerium begründete seine Ablehnung einer niedrigeren Dosierung aus der Erwachsenen-Ampulle für die Impfung von Kindern gegenüber der WamS wie folgt: „Der Biontech-Impfstoff für Kinder von fünf bis 11 Jahren unterscheidet sich in der Zusammensetzung, Konzentration und Dosierung vom Biontech-Impfstoff für Personen ab 12 Jahren.“ Es handele es sich bei der „Entnahme einer Dosis für Kinder unter 12 Jahren aus dem derzeit zugelassenen Mehrdosenbehältnis für Personen ab 12 Jahren“ um „eine zulassungsüberschreitende Anwendung“. Ärzte dürften bislang nur „auf eigene Verantwortung“ Kinder unter 12 Jahren mit dem Biontech-Vakzin für Erwachsene impfen.

BMG: „Nicht unerhebliches Risiko von Fehldosierungen“

In Österreich ist die niedriger dosierte Verabreichung des Biontech-Impfstoffs an Kinder bereits gängige Praxis, heißt es. Das BMG will jedoch auf den regulären Kinder-Impfstoff warten. Dosierungen für Kinder aus einer Erwachsenenampulle zu präparieren ist dem Ministerium zufolge risikobehaftet. Man müsse für ein solches Verfahren ein „nicht unerhebliches Risiko von Fehldosierungen“ berücksichtigen. 

Wer Kinder mit dem niedriger dosierten Impfstoff aus dem Erwachsenenbehältnis impfen wolle, solle dies „sehr sorgfältig abwägen“, so die Bundesbehörde. Das Ministerium weist ferner darauf hin, dass keine Studien zur „mikrobiologischen Sicherheit und der Kompatibilität der Stopfen bei deutlich erhöhter Anzahl von Einzeldosenentnahmen und damit verbundener Perforation des Stopfens“ vorlägen. 

Die Impfempfehlung des STIKO-Expertengremiums zur Kinderimpfung wird für den 11. Dezember erwartet. Zur Verfügung stehen soll der Kinder-Impfstoff nach Angaben des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) ab dem 13. Dezember.

STIKO-Chef Thomas Mertens hatte kürzlich in einem Podcast eingeräumt, dass er sein eigenes siebenjähriges Kind – wenn er eines hätte – „wahrscheinlich“ jetzt nicht impfen lassen würde. Mertens begründete dies mit dem Fehlen von Daten jenseits der Zulassungsstudie über die Verträglichkeit des Impfstoffs in der Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen. Aussagen über Langzeitschäden seien aktuellen Publikationen zufolge kaum möglich, so Mertens.