Die symbolträchtige Ghasantschezoz-Kathedrale liegt in Schutt und Asche.
Foto: dpa/David Ghahramanyan

SchuschiNach dem Beschuss einer historischen Kirche in der Kaukasusregion Berg-Karabach in Armenien hat Aserbaidschan jegliche Verantwortung zurückgewiesen. Die Zerstörung der Kathedrale Christi des Heiligen Retters in der Stadt Schuscha habe „nichts zu tun mit den militärischen Aktionen der aserbaidschanischen Armee“, teilte das Verteidigungsministerium in Baku mit. „Die aserbaidschanische Armee nimmt keine historischen, kulturellen und insbesondere religiösen Gebäude und Monumente ins Visier“, hieß es in einer Erklärung.

Die symbolträchtige Ghasantschezoz-Kathedrale, wie sie auch genannt wird, soll am Donnerstagnachmittag zweimal beschossen worden sein. Beim zweiten Angriff sind nach Angaben der armenischen Regierung auch armenische und russische Journalisten getroffen und verletzt worden. Aktuelle Fotos von der Kirche zeigen ein großes Loch im Dach der Kathedrale. Ein Teil der Metallkonstruktion des Daches ist in das Kircheninnere gestürzt, Trümmer liegen in der Kirche über den Boden verstreut, Kirchenbänke sind umgestürzt. Laut „Bild“-Zeitung hatten sich im Keller Zivilisten mit Kindern versteckt. Eine offizielle Bestätigung blieb bisher aus.

Die Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Südkaukasus-Region Berg-Karabach waren am 27. September wieder aufgeflammt. Beide Seiten machen sich gegenseitig für Angriffe auf zivile Einrichtungen und die Zivilbevölkerung verantwortlich. Die genaue Zahl der Opfer ist unklar, doch wurden bereits Hunderte Menschen getötet. Zehntausende flohen aus der überwiegend von Armeniern bewohnten Region.

In der umkämpften, von armenischen Kräften kontrollierten Region sind nach Angaben aus Paris und Moskau allerdings auch pro-türkische Milizen aus Syrien und Libyen im Einsatz. Die Türkei unterstützt Aserbaidschan in dem Krieg mit Waffen und Personal. Russland unterhält gute Beziehungen zu beiden Seiten, gilt aber als die militärische Schutzmacht Armeniens.