Klimawandel bedroht Pflanzenarten und Tiere in Landschaft

Die Dürresommer der vergangenen Jahre haben in Brandenburg auch Auswirkungen auf seltene Pflanzen und Tiere. Eine Stiftung, die Naturlandschaften betreut, sc...

Ein verblühter Löwenzahn steht auf einer Wiese im Sonnenschein.  lbild
Ein verblühter Löwenzahn steht auf einer Wiese im Sonnenschein. lbildKarl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbo

Wustermark-Der Klimawandel bedroht nach Angaben der Heinz Sielmann Stiftung eines der botanisch wertvollsten Naturschutzgebiete in Brandenburg. Das Ferbitzer Bruch in der Döberitzer Heide, eine Landschaft für seltene Pflanzenarten, habe sich in den vergangenen Dürresommern seit 2018 dramatisch verändert, wie die Stiftung am Donnerstag mitteilte. „Empfindliche und deutschlandweit gefährdete Pflanzenarten wie Helm-Knabenkraut, Natternzunge oder Pracht-Nelke werden immer seltener. Dafür kartieren wir häufiger Allerweltsarten wie Wiesen-Margerite, Spitzwegerich oder Acker-Kratzdistel, die mit Trockenheit umgehen können“, erläutert Jörg Fürstenow, der für die Heinz Sielmann Stiftung die botanischen Kartierungen durchführt. Das Landschaftsbild habe sich innerhalb kürzester Zeit massiv verändert. Auch seltene Orchideen wie Blutweiderich und Gilbweiderich würden langsam verschwinden. Gewächse wie Filz-Segge, Sumpf-Herzblatt oder Lungen-Enzian sind dem Experten zufolge bereits verschollen oder kurz davor, in dem Gebiet auszusterben.

Die Heinz Sielmann Stiftung beobachtet nach eigenen Angaben seit 16 Jahren das Ferbitzer Bruch mit seinem Niedermoor. Auf Dauer-Untersuchungsflächen werden regelmäßig Vegetation und Bodenfeuchte registriert. Die Daten zeigten demnach, dass das verfügbare Grundwasser immer weiter absinke. Mit dem Verschwinden von Pflanzenarten verändere sich auch die Tierwelt. Laut Stiftung finden besondere Schecken- und Perlmutterfalter ihre Nahrungspflanzen nicht mehr. Auch ihr Bestand gehe zurück, so die Stiftung.

Feuchtgebiete wie das Ferbitzer Bruch sind natürliche CO2-Speicher. Die Austrocknung des nassen Niedermoorbodens führe zur weiteren Freisetzung von gespeichertem CO2, warnte die Stiftung. Sie sucht nach eigenen Angaben nun gemeinsam mit Partnern und Akteuren vor Ort nach Möglichkeiten, diesen Prozess wieder umzukehren. In einem Artenschutzprojekt soll der Wasserhaushalt in der Landschaft stabilisiert werden. Der Vorschlag: Bevor der Niederschlag in die Havel abfließt, kann das Wasser länger im Ferbitzer Bruch zurückgehalten werden.

Auf dem ehemals etwa 6000 Hektar großen früheren Truppenübungsplatz Döberitz hat sich in den letzten Jahrzehnten nach Stiftungsangaben eine Landschaft mit hohem naturschutzfachlichen Wert entwickelt. 2004 erwarb die Sielmann Stiftung etwa zwei Drittel dieses Areals, um es nachhaltig für die Natur zu sichern. Pflegende Maßnahmen und Projekte werden aus Fördermitteln der EU, des Bundes und des Landes Brandenburg sowie mit Eigenmitteln der Heinz Sielmann Stiftung umgesetzt.