LondonDer bei Touristen beliebte Highgate-Friedhof in der britischen Hauptstadt, auf dem auch das Grab von Karl Marx liegt, ist Experten zufolge vom Klimawandel bedroht. Die Verwaltung klagt über wuchernden Pilzbefall aufgrund steigender Temperaturen sowie über Stürme und Erosion.

Landschaftsplaner sollen in einem Wettbewerb eine Strategie zur Rettung des 1839 eröffneten Geländes im Norden Londons entwerfen. „Der Plan muss sich über die nächsten 20 Jahre und mehr erstrecken, und in dieser Zeitspanne wird sich die Erderwärmung fortsetzen“, sagte Martin Adeney, Vorsitzender des Vereins Friends of Highgate Cemetary. Auf dem hügeligen Gelände liegen die Überreste von 170.000 Menschen, darunter die Schriftsteller George Eliot und Douglas Adams, Autor von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Auch der 2016 verstorbene Popsänger George Michael hat auf dem Friedhof ein – auf Wunsch seiner Familie – anonymes Grab.

Jährlich etwa 100.000 Besucher

Karl Marx ist im östlichen Teil des Friedhofs begraben, während der westliche Teil mit verschlungenen Pfaden, Katakomben und einer ägyptischen Allee an die viktorianische Zeit erinnert. Noch immer finden hier Beerdigungen statt, der Friedhof lockt jährlich zudem etwa 100.000 Besucher an. In den vergangenen sieben Jahren stieg die Zahl um 30 Prozent, während des Corona-Lockdowns trat eine Besuchersperre in Kraft. Wegen Schäden durch Vernachlässigung und steigende Temperaturen sind manche Grabsteine mit Absperrband oder Warnschildern versehen, andere neigen sich gefährlich zur Seite oder sind umgekippt.

Sorgen macht dem Chefgärtner Frank Cano darüber hinaus eine Ruhestätte aus dem 19. Jahrhundert, deren Grabplatte allmählich von einem Baum aufgehebelt wird. Durch verstärkte Verschiebungen des Londoner Lehmbodens seien auch Grabmäler ins Rutschen geraten, so Cano. Das wirke sich auf die Wurzeln der wild zwischen den Gräbern wachsenden Bäume aus: „Gefährdet ist der Friedhof durch unsere Bäume, durch das Efeu, durch die Brombeersträucher. Im Grunde ist es die Natur, die versucht, sich den Friedhof zurückzuholen.“

Die Stürme seien ebenfalls stärker geworden, sagt Cano, und wärmere Temperaturen würden dazu führen, dass Pilze besser gedeihen und die Bäume von „viel mehr Schädlingen und Krankheiten“ befallen und destabilisiert würden. Wegen Pilzbefalls musste 2019 das Herzstück des Friedhofs, eine große Libanon-Zeder, gefällt werden. Darüber hinaus spülen zunehmende Regenfälle die Kieswege weg und bringen die veralteten Entwässerungssysteme zum Überlaufen.

Gelände soll besucherfreundlicher werden

Nun sollen Bäume gepflanzt werden, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen. Cano hofft, der neue Plan lasse „die Geschichte im Einklang mit der Natur weiterleben“, damit der Friedhof auch in den kommenden Jahrhunderten weiter bestehen könne. Der Friedholt erhält keine öffentlichen Gelder. In den 1970er-Jahren hatten die ursprünglichen Eigentümer ihn als unrentabel aufgegeben. Gräber und Katakomben wurden aufgebrochen und Gebeine freigelegt, bis Anwohner des Viertels den Verein zur Rettung des Friedhofs gründeten.

Die geplanten Renovierungen sind nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Adeney nun die größten Maßnahmen seither: „Wir werden damit natürlich in die Millionen gehen“, sagte er. Dafür erhofft sich der Verein Gelder der staatlichen britischen Lotterie-Stiftung. Gleichzeitig soll das Gelände auch besucherfreundlicher werden – mit gebührendem Respekt für die Toten. Angedacht sind ein Besucherzentrum, neue Toiletten und vielleicht ein Café, so Adeney. Der eine oder andere Baum werde weichen müssen. „Manche Bereiche werden lichter werden“, sagte Adeney. Und fügte hinzu: „Aber wir werden sehr vorsichtig sein.“