Kokain (Symbolbild)
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BerlinEin „Kokain-Lieferservice“ versorgte in Berlin über Monate hinweg rund 850 Stammkunden. Knapp acht Monate nach der Festnahme mehrerer Verdächtiger haben sechs Angeklagte vor dem Landgericht gestanden. Ein 26-Jähriger erklärte zu Prozessbeginn am Mittwoch, er habe das illegale Geschäft zunächst mit einem Handy begonnen. Als es bald immer mehr Abnehmer geworden seien, habe er sich Komplizen gesucht. Er habe die Drogen beschafft und auch den Einsatz der Kuriere koordiniert. Ein 37-Jähriger sagte, sie hätten „mit mindestens vier Fahrern im Schichtsystem gearbeitet“.

Die Geschäfte liefen Ermittlungen zufolge ab September 2019 von einem Café im Stadtteil Neukölln aus. Die Kommunikation mit den Abnehmern sei hauptsächlich per SMS erfolgt, heißt es in der Anklage. Mit sogenannten Koks-Taxis sei die Auslieferung erfolgt. Die Kurierfahrer hätten im Schichtbetrieb gearbeitet, um den festen Kundenstamm von mindestens 850 Personen ab mittags bis in die frühen Morgenstunden des folgenden Tages versorgen zu können.

An 102 Tagen sei es zu 1449 Lieferungen gekommen, so die Anklage. Der 26-Jährige gilt als Kopf der Bande. Zwei Mitangeklagte, darunter ein Bruder des 26-Jährigen, seien „übergeordnete Koordinatoren“ gewesen, zwei 30- und 31-Jährige hätten sich als Kurierfahrer beteiligt. Eine 28-jährige Angeklagte soll ihre Wohnung zum Portionieren und Verpacken des Rauschgifts zur Verfügung gestellt haben.

Nach Verständigungsgesprächen der Prozessbeteiligten müssen drei der Männer mit Haftstrafen von etwa fünf Jahren rechnen. Der Prozess sollte voraussichtlich an diesem Donnerstag fortgesetzt werden.