Der Tagesspiegel verliert den Kolumnisten Harald Martenstein. Das teilte der Journalist am Samstag auf seiner Internetseite mit. Zuvor hatte die Chefredaktion des Tagesspiegel eine umstrittene Kolumne von Martenstein gelöscht. Darin hatte der Journalist das Tragen von Judensternen auf Corona-Demonstrationen als „sicher nicht antisemitisch“ eingeordnet. „Es ist kein Geheimnis, dass die Chefredaktion des Tagesspiegels sich in aller Form von einem meiner Texte distanziert und ihn gelöscht hat“, schreibt Martenstein nun in einer Schlusskolumne. Und weiter: „Ich war in diese Entscheidung nicht eingebunden. So etwas bedeutet in der Regel, dass man sich trennt, den Entschluss dazu habe ich gefällt.“

Er habe in seiner kritisierten Kolumne geschrieben, was er denke. Martenstein: „Ich finde, jeder sollte in der Lage sein, sich zu diesem Text selbst ein Urteil zu bilden. Er steht auf meiner Facebook-Seite und meiner Website harald-martenstein.de“. Und weiter: „Leute, die Judensterne benutzen, um sich zu Opfern zu stilisieren, sind dumm und geschichtsvergessen. Leute, die auf ihren Demos zur Vernichtung Israels aufrufen, sind etwas gefährlicher. Ich habe meine Meinung nicht geändert“.

„Man sollte nicht Handlanger eines ideologischen Lagers sein“

Grundsätzlich solle man als Journalist „nicht Handlanger eines ideologischen Lagers sein, und man darf keine Angst vor Wutstürmen haben. Genau dazu ist die Meinungsfreiheit ja da: um Dinge zu sagen, die manche nicht hören möchten“. Dann schreibt der Journalist, der seit 1988 beim Tagesspiegel publizierte: „Vielleicht irre ich. Wo man glaubt, nur man selbst sei im Besitz der Wahrheit, bin ich fehl am Platz.“ Die Chefredaktion des Tagespiegel merkt nach Angaben des Branchendienstes turi2 dazu an, „viele Gespräche“ unter anderem mit Betroffenen und dem Autor selbst geführt zu haben. Auf der Seite des Tagesspiegel wurde nach der Löschung von Martensteins Text mitgeteilt, man sei zu dem Schluss gekommen, dass „wir diese Kolumne so nicht hätten veröffentlichen sollen“.

Lesen Sie hier die gesamte Schlusskolumne von Harald Martenstein.