BerlinDie Bäder sind dicht, Zehntausende Anfängerkurse fallen aus, auch das Schulschwimmen ist in vielen Bundesländern zum Erliegen gekommen. Erzeugt die Corona-Pandemie eine Generation von Nichtschwimmern?

„Die haben wir bereits“, sagt Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Aber jetzt nehme die Schwimmfertigkeit noch einmal einen heftigen Knick nach unten. „Das ist eine dramatische Entwicklung.“ Nach einer DLRG-Studie aus dem Jahr 2017 sind bundesweit 59 Prozent der Mädchen und Jungen keine sicheren Schwimmer, wenn sie die Grundschule verlassen. Ihnen fehlt das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, 23 Prozent haben noch nicht einmal das Seepferdchen.

Auch der Deutsche Schwimmverband (DSV) schlägt Alarm. Nach dem Teil-Lockdown müssten die Bäder den Vereinen mehr Zeit für Schwimmkurse einräumen, auch an den Wochenenden oder in den Ferien, fordert DSV-Vizepräsident Wolfgang Hein. Schon vor der Pandemie gab es für Seepferdchen- oder Bronze-Kurse vielerorts lange Wartelisten.

Seit März fiel der Vereinssport auch in anderen Disziplinen wie Fußball, Judo oder Tanzen monatelang aus. Die Kinder seien von der Bewegung entwöhnt, sagt Hein. „Es ist bequem, zu Hause zu sitzen auf dem Sofa oder am Schreibtisch und ein bisschen rumzudaddeln. Sie dürfen ja auch nichts.“ Wichtig sei es, die ausgefallenen Kurse gründlich nachzuholen. „Es geht schließlich um den Schutz vor dem Ertrinkungstod“, so Hein. Auch die Politik sei gefordert, auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Seit dem 5. November ist das Schulschwimmen in Niedersachsen etwa komplett verboten. Laut einem Sprecher der Kultusministerkonferenz soll Schulschwimmen unter Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln in den Ländern eigentlich stattfinden. Berlin erlaubt noch Schwimmunterricht bei den Warnstufen Gelb und Orange in den Schulen.