Köln/Berlin - Das westdeutsche Monatsmagazin Konkret avancierte in den frühen 70er-Jahren zu einer Art Zentralorgan der Linken, und sein Herausgeber Klaus Rainer Röhl gefiel sich dabei zunehmend als Reizfigur des bürgerlichen Establishments. Zum Ruhm und zur Anerkennung des Blattes hatten einige Jahre zuvor vor allem die engagierten Texte von Ulrike Meinhof beigetragen, mit der Röhl zwischen 1961 und 1968 verheiratet war – aus der Ehe waren die Zwillingsschwestern Bettina und Regina Röhl hervorgegangen.

Der 1928 in Danzig geborene Röhl hatte im norddeutschen Stade Abitur gemacht, seit dieser Zeit war er auch mit dem späteren Schriftsteller Peter Rühmkorf befreundet, der Röhl einmal als „unvermeidlichen Kotzbrocken“ bezeichnete. Das mag auch an seinem unternehmerischen Gespür und seiner Vorliebe für glamouröse Partys, schnelle Autos und Pelzmäntel gelegen haben.

Nachdem Röhl zu Beginn der 60er-Jahre in Hamburg mit der pazifistischen Anti-Atombewegung in Kontakt gekommen war, gründete er dort die Zeitschrift Studentenkurier, deren Finanzierung bald darauf die SED übernahm. Die Sozialistische Einheitspartei unterstützte zunächst auch die 1964 gegründete Zeitschrift Konkret, wegen zu starker Einflussnahme aus Ost-Berlin aber kam es zum Bruch. Röhl entwickelte das Blatt in den darauffolgenden Jahren zum Sprachrohr der Außerparlamentarischen Opposition (Apo), wenngleich deren Redakteur, der spätere Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, keinen Hehl daraus machte, dass er es gewesen sei, der die redaktionelle Arbeit gemacht habe.

Politischer Schwenk

Populär wurde Konkret nicht zuletzt aufgrund einer sexualisierten Ästhetik, hinzu kamen ausdrücklich sexualaufklärerische Texte und gesellschaftspolitische Analysen, etwa von Peggy Parnass und Günther Amendt. Nach heftigen Auseinandersetzungen um die politische Ausrichtung des Blattes – Röhl hatte sich ausdrücklich gegen die Gewaltpolitik der RAF gewandt – wurde der Herausgeber 1973 bei Konkret entlassen. In radikal-linken Kreisen kursierte daraufhin der Spruch „Raus kleiner Röhl“.

In den 80er-Jahren wandte sich Röhl zunehmend nationalliberalen Themen zu, 1995 trat er der FDP bei und wirkte an Veröffentlichungen mit, die sich gegen die Einschätzung wandten, dass der Sieg der Alliierten und der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg eine Befreiung gewesen sei. Wiederholt schrieb Röhl fortan auch für rechte Zeitschrift Junge Freiheit.

2010 beschuldigte ihn Anja Röhl, eine Tochter aus erster Ehe, der sexuellen Übergriffigkeit. Röhl wies die Vorwürfe zurück, aber auch Bettina Röhl berichtete über Erlebnisse sexueller Belästigung durch ihren Vater. Klaus Rainer Röhl, der zusammen mit der griechischen Schriftstellerin Danae Coulmas in Köln lebte, ist dort am 30. November gestorben, einen Tag vor seinem 93. Geburtstag.