London - Wegen der Folgen von Brexit und Corona-Pandemie auf Lieferketten und Unternehmen verschiebt die britische Regierung die Kontrollen auf Einfuhren aus der EU erneut um mehrere Monate. Dabei geht es darum zu prüfen, ob Lebensmittelstandards eingehalten werden. „Die Pandemie hatte langfristigere Auswirkungen auf Unternehmen, sowohl im Vereinigten Königreich als auch in der EU, als viele Beobachter noch im März erwartet haben“, teilte der britische Brexit-Beauftragte David Frost am Dienstag mit.

EU nimmt Waren aus Großbritannien schon seit Januar unter die Lupe

Eigentlich sollten die britischen Grenzkontrollen vom 1. Januar 2022 an greifen, ein Jahr nach dem Austritt Großbritanniens aus EU-Zollunion und Binnenmarkt. Einige Lebensmittel sollten bereits vom 1. Oktober an kontrolliert werden. Die EU nimmt ihrerseits schon seit Januar Waren aus Großbritannien genau unter die Lupe. Dadurch kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Vor allem der Handel mit frischen Lebensmitteln ist infolge fehlender Lastwagenfahrer und höherer Transportkosten unter Druck geraten.

„Wir möchten, dass sich Unternehmen auf die Erholung von der Pandemie konzentrieren, anstatt sich mit neuen Anforderungen an der Grenze auseinandersetzen zu müssen“, sagte Frost. „Aus diesem Grund haben wir einen pragmatischen neuen Zeitplan für die Einführung vollständiger Grenzkontrollen festgelegt.“ Erst vor kurzem hatte Großbritannien einseitig die Anwendung von Brexit-Regeln für den Handel zwischen Nordirland und dem Rest des Landes aufgeschoben.

Kritik an der kurzfristigen Ankündigung seitens der Verbände

Wirtschaftsvertreter reagierten irritiert. So kritisierte der Verband der Lebensmittel- und Getränkehersteller FDF die kurzfristige Ankündigung. Unternehmen hätten viel Geld ausgegeben, um pünktlich zum 1. Oktober gerüstet zu sein und würden nun „bestraft“.