LeipzigUnter welchen Bedingungen kann es angesichts der Corona-Pandemie wieder große Sport- und Kulturveranstaltungen mit Publikum in Hallen geben? Infektiologen aus Halle haben nach einem Test-Konzert mit Tim Bendzko in der Arena in Leipzig im August zwei Monate später  erste Ergebnisse präsentiert. Das Experiment war weltweit verfolgt worden. Die Forscher sagten am Donnerstag, dass auch bei einer hohen Fallzahl-Inzidenz in einer Stadt mit einem strengen Hygiene-Konzept und begrenzter Teilnehmerzahl Großveranstaltungen durchgeführt werden können. 

Als großen Infektionstreiber machten sie die Lüftung in einer Halle aus. Ist sie schlecht, kann eine infizierte Person viele anstecken. Ist die Lüftung gut, wird das Risiko gering. „Ein kontrolliertes Handballspiel oder ein kontrolliertes Konzert ist sicherer als eine Großhochzeit“, fasste Dekan Michael Gekle von der Universität Halle zusammen. Er forderte, sämtliche Hallen mit einem modernen Lüftungssystem auszurüsten.

Für ihren Test hatten die Wissenschaftler am 22. August den Sänger Tim Bendzko unter drei Hygiene-Szenarien in der Leipziger Halle singen lassen. Von Zuschauern, die eine Maske trugen und zugewiesene Sitzplätze hatten (Szenario 3), bis hin zu keinen Hygiene-Maßnahmen (Szenario 1). Parallel dazu hatten sie mit dem Computer simuliert, wie sich die Aerosole in einer Halle mit infizierten Personen verteilen. „Das Risiko wird mit einem Hygienekonzept deutlich geringer“, so der Forscher Rafael Mikolajczyk.

Nach der ersten Präsentation gab der Mediziner Stefan Moritz von der Uni-Klinik Halle Empfehlungen für die Durchführung von Großveranstaltung ab. Bei einer Fallzahl-Inzidenz unter 50 darf eine Halle nur zu Hälfte gefüllt sein. Nur 250 Besucher dürfen pro Stunde ein Einlasstor passieren. Keine Stehplätze sind vorgesehen, es gibt nur Sitzplätze. Eine Maskenpflicht ist vorgesehen. 

Auch bei einer Fallzahl-Inzidenz von über 50 wie aktuell überall in Deutschland sind laut den Ergebnissen Großveranstaltungen möglich. Die Zuschauerzahl müsse auf 25 Prozent der Kapazität reduziert werden. Es müsse zudem Sitzplätze und eine Maskenpflicht geben. Eine weitere Empfehlung der Mediziner: Essen und Getränke müssten in Veranstaltungspausen am Platz eingenommen werden. Eine adäquate Belüftungstechnik ist zwingend notwendig.

Ein weiteres Fazit der Forscher: Wenn alle Hallen mit modernen Lüftungssystemen ausgestattet werden, wären viele Veranstaltungen möglich. Armin Willingmann, Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, sicherte den Forschern weitere Unterstützung zu.   

Die Ergebnisse gäben angesichts der aktuell schwierigen Lage Hoffnung für die Veranstaltungsbranche, hieß es einstimmig.