Paris - Der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy muss sich seit Montag gemeinsam mit seinem langjährigen Anwalt Thierry Herzog wegen mutmaßlicher Bestechung und mutmaßlicher unerlaubter Einflussnahme vor Gericht verantworten. Den beiden 65-Jährigen drohen jeweils eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren und eine Geldbuße von einer Million Euro.

Sarkozy soll Anfang 2014 versucht haben, über seinen Anwalt von dem Juristen Gilbert Azibert Geheiminformationen zu erlangen, die eine andere Affäre betrafen. Azibert war damals Generalanwalt beim Kassationsgericht, dem höchsten Gericht des Landes. Der Ex-Präsident soll im Gegenzug angeboten haben, den Juristen bei der Bewerbung um einen Posten im Fürstentum Monaco zu unterstützen. Der 73-Jährige ist ebenfalls angeklagt, sein Anwalt beantragte einen Aufschub des Prozesses aus gesundheitlichen Gründen. Daraufhin unterbrach das Gericht die Verhandlung und will sie am Donnerstag fortführen.

Libyen, al-Gaddafi und Sarkozy

Die Vorwürfe gegen Sarkozy beruhen auf der Verwendung abgehörter Telefongespräche des Politikers mit Anwalt Herzog. Um die Rechtmäßigkeit dieser Abhöraktion hatte es einen heftigen Streit gegeben. Sarkozy wies die Vorwürfe gegen ihn zurück und nannte die Überwachung skandalös: „Wenn man sich in der Welt von Herrn Putin so verhielte – aber wir sind im Land der Menschenrechte.“

Sarkozy und Herzog nutzten für die Gespräche Mobiltelefone, die unter dem Pseudonym Paul Bismuth angeschafft wurden. Die Geräte wurden abgehört, weil es den Verdacht gab, Libyen unter dem damaligen Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi habe illegalerweise Geld für Sarkozys erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf 2007 bereitgestellt.

Sarkozy droht ein weiterer Prozess

Die Justiz ermittelt in dieser Sache seit mehreren Jahren, manche Beobachter sprechen von einer Staatsaffäre. Sarkozy wies die Vorwürfe vehement zurück. Ein als entscheidend geltender Zeuge entlastete Sarkozy vor kurzem. Ein Prozess droht auch in einer anderen Affäre: Wegen Ausgaben für Sarkozys erfolglosen Wahlkampf 2012 soll es im März einen Gerichtstermin geben. Die gesetzliche Obergrenze für diese Kosten wurde den Vorwürfen zufolge um gut 20 Millionen Euro überschritten.

Sarkozys inzwischen verstorbener Amtsvorgänger Jacques Chirac war 2011 wegen Veruntreuung und Vertrauensbruch in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.