Brüssel - Die schlechten Beziehungen zwischen der Nato und Russland beschäftigen ein Treffen der Verteidigungsminister der Allianz in Brüssel. Die Nato müsse sich „den Bedrohungen Russlands gegenüber klar aufstellen“, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag bei ihrer Ankunft in Brüssel. Niemand dürfe „auf die Idee“ kommen, Nato-Partner „anzugreifen“, sagte Kramp-Karrenbauer kurz vor Beginn der Beratungen im Deutschlandfunk. Sie verwies auf russische „Verletzungen des Luftraums über den baltischen Staaten, aber auch zunehmende Übergriffigkeiten rund um das Schwarze Meer“. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte vor dem Nato-Treffen die Schwarzmeerregion besucht und Georgien und der Ukraine Unterstützung gegen „russische Aggression“ zugesagt.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte in Brüssel, die Allianz setze gegenüber Russland auf eine Mischung aus „glaubhafter Abschreckung“ und „Anstrengungen für einen sinnvollen Dialog“. Er bedauerte zugleich die russische Entscheidung, bis auf Weiteres die ständige Vertretung bei dem Militärbündnis zu schließen sowie das Nato-Büro in Moskau. Russland hatte damit auf die Ausweisung von Diplomaten aus Brüssel reagiert. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, angesichts der Ausweisungen und der Verdächtigung, die russischen Diplomaten seien Spione, mache ein Dialog mit der Nato aktuell keinen Sinn.

Kramp-Karrenbauer plädierte auch für eine Stärkung der militärischen Fähigkeiten der europäischen Nato-Länder. Bei der Evakuierungsmission in Kabul im August hätten die Europäer festgestellt, dass sie ohne die USA „nicht so handlungsfähig sind, wie wir uns das alle selbst wünschen“, sagte sie. Deutschland habe deshalb gemeinsam mit Portugal, Slowenien, Finnland und den Niederlanden ein „Gedanken-Papier“ vorgelegt, „wie man hier Strukturen und vor allen Dingen Prozesse verbessern kann“.

Bei dem Nato-Rat wollten die Nato-Länder auch darüber sprechen, wie sie sich China gegenüber aufstellen wollen.