Krankenhäuser: Corona auf Intensivstationen kaum noch relevant

Schwer kranke Corona-Patienten gebe es kaum noch, berichten die Kliniken. Das Pflegepersonal leide trotzdem an den Auswirkungen der Pandemie.

Der Personalmangel hat den Pflegekräften in Deutschland während der Pandemie schwer zugesetzt.
Der Personalmangel hat den Pflegekräften in Deutschland während der Pandemie schwer zugesetzt.imago images/Max Stein

Die Corona-Pandemie spielt auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Deutschland kaum noch eine Rolle, hat aber beim Personal erheblichen Tribut gefordert. Inzwischen mache der Anteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen weniger als fünf Prozent aus, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, am Freitag. „Es ist kein Vergleich zur Situation vor einem Jahr.“

Aktuell gebe es ein Plateau von etwa 900 Covid-Patienten. Vor einem Jahr waren es noch gut 5000 Schwerkranke gewesen, erklärte Marx, der auch Direktor der Klinik für Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen ist. „Das sind aber in der Regel ältere, also 70- bis 80-jährige Patienten.“ Auch die Kapazitäten bei den Beatmungsgeräten seien bei Weitem nicht ausgeschöpft. „Das drückt noch mal aus, dass wir deutlich weniger schwer kranke Patientinnen und Patienten mit Corona-Infektionen versorgen“, so der Mediziner.

Insbesondere Pfleger wegen Corona überlastet

Beim Klinikpersonal und insbesondere in der Pflege habe die Pandemie jedoch deutliche Spuren hinterlassen. So hätten wegen Personalmangels inzwischen rund 2000 Intensivbetten abgebaut werden müssen, was die Kapazität an freien Betten teilweise  auf unter zehn Prozent gedrückt habe, erklärte Marx. Das Personal habe die Kliniken in der Regel nicht ganz verlassen, sondern wegen der dauerhaft extremen Arbeitsbedingungen stattdessen das Arbeitspensum auf 80 oder 75 Prozent reduziert.

Der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg, Felix Walcher forderte eine psychosoziale Unterstützung der Beschäftigten, um so deren psychische und physische Widerstandsfähigkeit zu stärken. „Die Krankenhausträger und die Politik müssen verstehen, dass diese Strukturen aufgebaut werden müssen“, mahnte Walcher. Dazu gehöre auch eine auskömmliche Finanzierung.

Auch wenn die meisten Corona-Patienten inzwischen nicht mehr wegen der Pandemie an sich, sondern wegen anderer Beschwerden in den Krankenhäusern lägen, macht sich der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Stefan Kluge, weiter für Impfungen stark. Eine oder zwei Impfungen reichten nicht für einen guten Schutz, so der Fachmann. „Drei Impfungen unter 60 und vier Impfungen über 60 schützen gut vor einem schweren Verlauf.“