Berlin - Patienten sollen generell die Möglichkeit erhalten, sich in bestimmten Fällen ohne den Besuch in einer Arztpraxis krankschreiben zu lassen. Eine erstmalige Krankschreibung und eine Verlängerung sollten künftig per Videosprechstunde möglich sein, heißt es laut Bundesgesundheitsministerium in einem aktuellen Gesetzentwurf. Die Regelung soll unabhängig von einer Pandemie-Situation gelten.

Das Ministerium bestätigte damit im Grundsatz Berichte der Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). „Insbesondere bei einfach gelagerten Erkrankungsfällen und zur Vermeidung von Infektionen über Wartezimmer sollte die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Videosprechstunde auch im Rahmen einer ausschließlichen Fernbehandlung erfolgen können“, heißt es in der Begründung des Referentenentwurfs für das geplante Gesetz.

Vermittlung von Videosprechstunden 

Es soll gemäß seines Titels „zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege“ führen. Das Ministerium hat den Entwurf eigenen Angaben nach zur Anhörung an die anderen Ministerien, die Bundesländer sowie an Fraktionen und Verbände versandt. Im Sommer war vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Regelung eingeführt worden, dass eine Krankschreibung für maximal sieben Tage auch per Videosprechstunde möglich ist. Allerdings setzt dies bislang eine vorherige Präsenzbehandlung voraus.

Über die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Ausweitung von Sprechstunden per Video berichtete auch das Portal The Pioneer. Demnach soll die Vermittlung von Terminen durch die Kassenärztlichen Vereinigungen künftig um die Vermittlung sogenannter telemedizinischer Leistungen ergänzt werden. Für Kinder ist teilweise schon jetzt eine Krankschreibung per Videosprechstunde möglich.

Gesetz soll Mitte 2021 in Kraft treten

Versicherte und Leistungserbringer sollen demnach ab 2023 digitale Identitäten erhalten, um sich zum Beispiel für eine Videosprechstunde sicher zu authentifizieren, berichtete das Portal weiter. Krankschreibungen per Video sollen demnach auch möglich sein, wenn ein Patient zuvor noch nie in der betreffenden Arztpraxis war. Darüber hinaus will Spahn laut The Pioneer Videosprechstunden auch für Logopäden, Physiotherapeuten oder Hebammen ermöglichen.

Die Mehrausgaben der Krankenkassen durch Neuregelungen wie die Ausweitung der Videosprechstunde beziffert das Ministerium laut The Pioneer auf rund 99 Millionen Euro pro Jahr. Das neue Gesetz soll dem Gesundheitsministerium zufolge voraussichtlich Mitte 2021 in Kraft treten.