Nantes - Der Mars ist ein ziemlich unwirtlicher Planet, voller Krater und Eiswüsten. Dass das nicht immer so war, belegt die aktuelle NASA-Mission auf dem roten Planeten: Seit Mitte Februar ist der Rover Perseverance (engl.: Ausdauer) unterwegs, um Geistensproben zu sammeln, Fotos zu machen und so der Forschung zu dienen.

Nun berichtete der französische Wissenschaftler Nicolas Mangold von der Universität Nantes, dass einst eine sehr lebensfreundliche Umgebung auf dem Mars existierte: „Beobachtungen von Merkmalen wie Talnetzwerken, Sedimentfächern und alten Seebetten zeigen, dass der Planet einst ein wärmeres, feuchteres Klima hatte“, schreibt Mangold in seiner gerade veröffentlichten Studie.

NASA/JPL/JHUAPL/MSSS/Brown University
Diese Aufnahme zeigt den Jezero-Krater auf dem Mars und sein Fluss Delta.

Der Experte wertete zusammen mit seinem rund 30-köpfigen Team die Kamera- und Multispektralaufnahmen des NASA-Rovers aus. Im Mittelpunkt des Interesses steht der Jezero-Krater. Dieser liegt auf der nördlichen Halbkugel unseres Nachbarplaneten und dehnt sich über knapp 48 Kilometer aus. Entstanden ist er vor rund 4 Milliarden Jahren durch einen Meteoriteneinschlag.

Bislang konnten Forscher nur vermuten, dass es in dem Krater vor Jahrmillionen mal einen See gab. Jetzt haben sie den Beweis gefunden: Die Analyse von Ablagerungen und Sedimentschichten bestätigen, dass bis vor ca. 3,7 Milliarden Jahren in dem Jezero-Krater ein riesiger See mit einem ruhig strömenden Zufluss existierte. 

Perseverance hat aber noch mehr herausgefunden: Irgendwann muss es zu einer heftigen Sturzflut gekommen sein, die tonnenschwere Felsbrocken mitriss. Mangold und sein Team berechneten eine Fließgeschwindigkeit von neun Metern pro Sekunde. Dabei wurde eine Wassermenge von 3000 Kubikmeter pro Sekunde bewegt. Zum Vergleich: In Berlin fließt die Spree nur etwa neun Zentimeter pro Sekunde. Der Rhein führt der Nordsee im Schnitt rund 2900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu, wobei sich das auf das gesamte Flusssystem bezieht.

Die Sturzflut transportierte meterhohe Gesteinsbrocken über große Distanzen. Das konnten die Wissenschaftler anhand der Beschaffenheit nachweisen: Die Felsbrocken stammen nicht aus dem Krater, sondern sind entweder vom Kraterrand oder aber aus dem Gebiet, das sich bis zu 60 Kilometer stromaufwärts ausdehnt. 

NASA/JPL-Caltech
Voller Wasser: So könnte der See im Jezero-Krater vor Milliarden von Jahren ausgesehen haben.

Die Kombination der Erkenntnisse - dass über lange Zeit einen See im Krater existierte und dass es eine mächtige Sturzflut gab - lässt die Wissenschaftler vermuten, dass das die entscheidende Umbruchsperiode auf dem Mars war, in dem sich das Klima wandelte. Während es zunächst also tendenziell lebensfreundlichen war, wurde es danach kalt und lebensfeindlich. Noch weiß aber niemand, wie und warum es zu diesem Klimawandel kam.