Geplünderte Geschäfte nach der Krawallnacht in Stuttgart.
Foto: dpa/Julian Rettig

StuttgartBei ihren Ermittlungen zur Krawallnacht am 21. Juni in Stuttgart erwägt die Polizei nun laut einem Medienbericht, die Stammbäume der Tatverdächtigen zu recherchieren. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, kündigte Polizeipräsident Franz Lutz dies am Donnerstagabend im Gemeinderat an. Demnach will die Polizei auch bei den Tatverdächtigen mit deutschem Pass mithilfe der Landratsämter deutschlandweit Stammbaumforschung betreiben.

Marcel Roth, Stuttgarter Stadtrat von den Grünen, sagte dem Bericht zufolge, er halte das Vorhaben für äußerst problematisch: „Wie viele Generationen muss man in Stuttgart leben, um als Bürger dieser Stadt anerkannt zu werden?“, fragte er. Und auch der Landesdatenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Stefan Brink, sieht das Vorhaben kritisch: „Aus unserer Sicht ist eine rechtliche Grundlage für solche Nachforschungen zunächst nicht erkennbar“, sagte Brink.

Die Stuttgarter Polizei verteidigt ihr Vorgehen auf Nachfrage der Zeitung indes und begründet es mit dem öffentlichen Interesse an den Ausschreitungen. „Die grundlegende Erhebung personenbezogener Daten bemisst sich an der Schwere des Delikts, hier kommt dazu, dass ganz Deutschland auf den Fall blickt“, sagt Jens Lauer, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart dem Blatt. Dem Sprecher zufolge würden dazu Fragen gestellt, wo die Täter politisch stünden, welches Geschlecht, welche Nationalität und ob sie einen Migrationshintergrund hätten. Letzteres sehe die Polizei bei „einem Elternteil ohne deutsche Staatsbürgerschaft“ erfüllt.

Mitte Juni hatten schwere Krawalle in Stuttgart bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Hunderte Menschen randalierten damals in der Innenstadt und griffen Polizisten an. Die Einsatzkräfte wurden mit Flaschen und Steinen beworfen, etliche Geschäfte wurden geplündert. In der Nacht zum Sonnabend kam es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erneut zu Auseinandersetzungen. Mehrere Menschen wurden in der Nacht vorläufig festgenommen.