Kreml fahndet nach Russlands bekanntem Philanthropen Boris Zimin

Der Wohltätigkeitsmäzen unterstützte Kreml-Gegner Alexej Nawalny und finanziert unabhängige Medien. Jetzt droht ihm Haft wegen Betrugs.

Der russische Philanthrop Boris Zimin. 
Der russische Philanthrop Boris Zimin. Zimin Foundation/zVg

Das russische Innenministerium hat einen der bekanntesten russischen Philanthropen auf die Fahndungsliste gesetzt. Boris Zimin, der auch Kreml-Gegner Alexej Nawalny unterstützte, werde nun wie ein Straftäter verfolgt. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass er wegen der illegalen Veräußerung von Stammaktien von BelkaCar, einem russischen Carsharing-Unternehmen, angeklagt ist. Der Wohltätigkeitsmäzen wurde daraufhin wegen Betrugs auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt. 

Hintergrund: Boris Zimin verließ Russland bereits im Jahr 2004. Er wohnt im Vereinigten Königreich. Zimins Vater, Dmitri, gründete die Telekommunikationsmarke Beeline sowie die Wohltätigkeitsorganisationen Dynasty und die Sreda-Stiftung. Beide Organisationen wurden geschlossen, nachdem russische Behörden ihnen ausländische Spionagetätigkeiten vorwarfen. Dmitri Zimin starb 2021 im Alter von 88 Jahren.

Boris Zimin wurde im September 2022 als ausländischer Agent eingestuft. Zuvor hatte der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny enthüllt, dass Zimin die Kosten für seinen Transport von Russland nach Berlin nach der Vergiftung des Politikers übernommen hatte. Der Flug wurde aus dem Familienfonds der Zimins finanziert und kostete 79.000 Euro. Der Philanthrop unterstützt auch Memorial, die Sacharow-Stiftung und mehrere unabhängige Medien in Russland.

Nach Kritik an Ukraine-Krieg: Ermittlungen gegen russischen Filmstar

Die russischen Behörden kündigten am Montag zudem strafrechtliche Ermittlungen gegen einen berühmten Schauspieler an, der den Krieg in der Ukraine kritisiert. Das russische Ermittlungskomitee teilte in einer Erklärung mit, dass ein Strafverfahren gegen den russischen Film- und Theaterschauspieler Artur Smoljaninow eingeleitet wurde. Der Erklärung zufolge hat Smoljaninow „in einem Interview mit einem westlichen Medienunternehmen eine Reihe von gegen Russland gerichteten Äußerungen gemacht“. Das Untersuchungskomitee stellte nicht klar, welche von Smolyaninovs Handlungen eine Straftat darstellen und weswegen er angeklagt werden soll.

Smolyaninovs jüngstes Interview in der vergangenen Woche löste unter Kreml-Anhängern Empörung aus. Der Schauspieler sagte der Novaya Gazeta Europe, dass er, wenn er in einem Krieg kämpfen müsste, „auf der Seite der Ukraine“ kämpfen würde. „Für mich ist es auf der Seite meiner Brüder, die von meinen anderen Brüdern angegriffen wurden“, so Smoljaninow.