Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat nach der Anklage gegen den Musiker Gil Ofarim wegen Verleumdung im Zuge von dessen Antisemitismus-Vorwürfen gegen ein Leipziger Hotel Ofarim kritisiert. Dieser habe „nicht nur den Mitarbeiter, das Hotel, die Stadt und Sachsen in Misskredit gebracht, sondern auch Schaden an der jüdischen Gemeinschaft angerichtet“, sagte Kretschmer am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. „Das Mindeste, was man nun erwarten kann, ist eine Entschuldigung - auch von denen, die vorschnell ihre Schlüsse gezogen und vorverurteilt haben.“

Es sei „das Schlimmste, jemanden als Antisemit zu bezeichnen“, sagte Kretschmer. „Dies für Falschaussagen und Verleumdung zu missbrauchen ist schockierend und zutiefst verachtenswert.“ Er verwies darauf, dass das in den vergangenen Jahrzehnten gewachsene Vertrauen zwischen Deutschen und Juden nicht selbstverständlich sei, sondern „ein hohes und wertvolles Gut, ein Wert, den wir uns nicht zerstören lassen“. Bei Twitter, wo der Ministerpräsident letztere Sätze wiederholte, kritisierten viele die Differenzierung „zwischen Deutschen und Juden“.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig wirft nach umfangreichen Ermittlungen dem Künstler falsche Verdächtigung und Verleumdung vor. Der angebliche Antisemitismus-Vorfall im Leipziger „The Westin“ habe sich nicht so zugetragen, wie Ofarim es in einem am 4. Oktober 2021 aufgenommenen und später im Internet geposteten Video geschildert hatte. Danach sollte ihn ein Hotelmitarbeiter aufgefordert haben, seine Kette mit Davidstern abzunehmen.