Berlin - In einer Toreinfahrt in der Stresemannstraße in Kreuzberg ist es am Sonnabendmorgen zu einer Schießerei gekommen. Das meldet die Berliner Polizei. Vier Männer wurden dabei verletzt, einige davon schwer. Nach Angaben von Augenzeugen waren zunächst mehrere schwer bewaffnete Einsatzkräfte im Einsatz, um nach Beteiligten der blutigen Auseinandersetzung zu suchen. Auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz. 

Am Tatort in der Stresemannstraße unweit der SPD-Parteizentrale wurden nach offiziellen Angaben zwei verletzte Personen gefunden. Einen weiteren Mann mit einer Verletzung am Bein fanden die Polizisten wenig später im Landwehrkanal. Er wurde offenbar aus dem Wasser gezogen. Zeugen berichten, dass die Polizisten den Uferbereich am U-Bahnhof Möckernbrücke mit Taschenlampen abgesucht hätten.

Foto: dpa/Paul Zinken
Zahlreiche Zahlenkarten haben Kriminaltechniker in einer Hofeinfahrt eines Hauses an der Stresemannstraße in Kreuzberg aufgestellt. Sie markieren die Fundorte von sichergestellten Spuren und Gegenständen. 

Gegen Mittag teilte die Polizei dann mit, dass alle vier Männer „nach einer Auseinandersetzung durch Schüsse schwer verletzt“ wurden. Nach derzeitigem Kenntnisstand „alarmierten Anwohner die Polizei, nachdem sie um kurz vor 4 Uhr in der Stresemannstraße Schüsse gehört hatten“. Die alarmierten Einsatzkräfte entdeckten drei Verletzte noch am Ort, ein vierter verletzter Mann sprang nach Polizeiangaben „in den nahe gelegenen Landwehrkanal, aus welchem ihn Rettungskräfte herauszogen“.

Alle Männer im Alter von 30, 30, 39 und 42 Jahren kamen laut Polizei „zu Behandlungen in Krankenhäuser, wo sie stationär verbleiben“. Auch die Feuerwehr war in diesem Zusammenhang im Einsatz. Nach Angaben eines Sprechers waren unter anderem drei Notärzte und ein leitender Notarzt im Einsatz.

Am Nachmittag waren auch SEK-Beamte am Tatort, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Sie gingen mit Waffe im Anschlag in ein Gebäude und durchsuchten eine Wohnung. Der SEK-Einsatz war nach Angaben der Polizei am späten Nachmittag wieder beendet, der Einsatz insgesamt dauerte noch an. 

Die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab, nicht zuletzt für die Spurensicherung. Einem Polizeisprecher zufolge waren auch Polizeitechniker am Ort. 

Die Hintergründe der Schießerei seien noch nicht bekannt, sagte ein Polizeisprecher am späten Nachmittag. Die Ermittler gehen nach Informationen aus Polizeikreisen aber nicht von einem politischen Motiv für die Tat aus. Vermutet wird demnach eher eine Auseinandersetzung im kriminellen Milieu. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin teilte auf Twitter mit: „Wegen der Schießerei im Milieu der organisierten Kriminalität ermitteln wir gemeinsam mit einer Mordkommission der Polizei Berlin gegen mehrere Tatverdächtige wegen versuchten Mordes und prüfen die Beantragung von Haftbefehlen.“ Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft teilte mit, dabei gehe es um Personen, die zur Gruppe der vier Verletzten gehörten. Um wie viele es sich handele, sagte er nicht.

In Berlin gibt es immer wieder Auseinandersetzungen auch zwischen einzelnen Gruppen oder Familien. Zuletzt hatte es in Kreuzberg nach Schüssen auf einen 29-Jährigen eine Attacke von etwa zehn Männern auf eine Erdgeschosswohnung und ein Auto gegeben.

Im Februar hatte eine Schießerei am Berliner Tempodrom in der Möckernstraße, nicht weit vom aktuellen Tatort entfernt, mit einem Toten und vier Verletzten für Aufsehen gesorgt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, Mordkommission inklusive. Gegen einen 48-jährigen Mann, der einen 42-Jährigen erschossen haben soll und bei der Auseinandersetzung selbst schwer verletzt wurde, wurde damals Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.