Ukraine: Von der Leyen nennt falsche Zahl von 100.000 toten Soldaten

Die EU-Kommissionschefin hat mit Aussagen über ukrainische Kriegsopfer für Verwunderung gesorgt. Die falschen Angaben wurden aus den sozialen Medien gelöscht. Aber auch dies sorgt für Kritik.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von 100.000 toten ukrainischen Soldaten. 
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von 100.000 toten ukrainischen Soldaten. Imago/Emmi Korhonen

Die Ukraine hat irritiert auf die Nennung deutlich zu hoher ukrainischer Kriegsverluste reagiert. Gegenüber dem ukrainischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen hob Präsidentensprecher Serhij Nykyforow am Mittwoch hervor, dass nur der Oberkommandierende der Streitkräfte, der Verteidigungsminister oder der Präsident belastbare Zahlen über die Verluste veröffentlichen könnten.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte in einer Ansprache von über 100.000 getöteten ukrainischen Soldaten gesprochen. Die Aussage wurde bei Twitter hochgeladen und sorgte gleichermaßen für Verwunderung und Empörung. Der Beitrag wurde mittlerweile wieder gelöscht. Von der Leyens Sprecherin war um Rechtfertigung bemüht und erklärte in englischer Sprache auf Twitter (übersetzt): „Vielen Dank an diejenigen, die auf die Ungenauigkeit der Zahlen in einer früheren Version dieses Videos hingewiesen haben. Die aus externen Quellen stammende Schätzung sollte sich auf die Opferzahlen beziehen, d. h. sowohl auf die getöteten als auch auf die verletzten Personen, und sollte die Brutalität Russlands verdeutlichen.“

Viele Twitter-Nutzer kritisierten die Löschung des Videos. Andere hatten Screenshots von dem Fauxpas gemacht und posteten Kommentare zu der Erstfassung. In dem auf YouTube veröffentlichten Original-Video wurde die entsprechende Aussage  herausgeschnitten. Da die offenkundig falsche Zahl sogar offiziell als Pressemitteilung von der EU herausgegeben worden war, meldete sich kurz darauf die Ukraine und bezog Stellung. 

Ukraine: Präsident Selenskyj wird offizielle Daten zu den Toten bekanntgeben

Die Regierung des angegriffenen Landes stellte klar, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj offizielle Daten publik machen werde, „wenn der richtige Moment“ gekommen sei, da es sich um eine sensible Information handle. Kiew habe bereits in Brüssel angefragt, woher EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen ihre Informationen habe, so Nykyforow.

Vor knapp drei Wochen hatte US-General Mark Milley die ukrainischen Verluste an Toten und Verwundeten auf rund 100.000 Soldaten geschätzt. Die Ukraine wehrt seit Ende Februar eine russische Invasion ab. Angaben zu eigenen Verlusten machen beide Seiten selten.

Auch ein Armeesprecher wollte am Mittwoch keine konkreten Angaben machen. „Wir können diese Ziffer nicht bestätigen und betonen, dass die Verluste der ukrainischen Armee dienstliche Informationen sind, die unter die Geheimhaltung fallen“, sagte Bohdan Senyk dem Onlineportal Ukrajinska Prawda. Gleichzeitig sagte er, dass Kiew es begrüße, wenn die durch von der Leyen gemachten Angaben dabei helfen würden, die für den Krieg Verantwortlichen in Russland vor Gericht zu stellen.