CanberraAustralische Soldaten stehen im Verdacht, unrechtmäßige Tötungen und Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht in Afghanistan begangen zu haben. In der kommenden Woche soll ein Untersuchungsbericht dazu veröffentlicht werden. Der Premierminister von Australien, Scott Morrison, sprach von einem „schwerem und möglicherweise kriminellen Fehlverhalten“, das genau geprüft und bei ausreichender Beweislage vor Gericht gebracht werden müsse.

Morrison bereitete seine Landsleute schon im Vorfeld auf Enthüllungen vor, die„ nur schwer zu verkraften“ seien, nicht nur für aktive Soldaten und Veteranen. Es werde „für uns alle schwierig werden“, sagte der konservative Regierungschef.

Für den Report war der Generalinspekteur des australischen Militärs Hinweisen auf unrechtmäßige Tötungen und Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht zwischen 2005 und 2016 nachgegangen. Mehr als 330 Zeugen wurden angehört, in mindestens 55 Fällen Ermittlungen aufgenommen.

Der vollständige Abschlussbericht, der nächsten Donnerstag in modifizierter Fassung veröffentlicht werden soll, sei ihm schon am vergangenen Freitag vorgelegt worden, sagte Morrison. Er sprach von einer „erheblichen Zahl von Vorfällen und Problemen“. 

Der Sonderermittler soll nach Regierungsangaben „so schnell wie möglich“ ernannt werden und ein Team aus Ermittlern der Bundespolizei, Rechtsexperten und weiteren Helfern an die Seite gestellt bekommen. Ein unabhängiges Aufsichtsgremium soll darüber wachen, dass die im Untersuchungsbericht ausgesprochenen Empfehlungen auch umgesetzt werden.