Kriminalhauptkommissar wirft Berliner Polizei Sexismus vor

Über junge Kolleginnen würden Sprüche wie „Muschis“, „Blondchen“ oder „unsere Fotzen“ gemacht, so Polizist Oliver von Dobrowolski.

 Oliver von Dobrowolski ist selbst Beamter und engagiert sich bei Polizei 
Oliver von Dobrowolski ist selbst Beamter und engagiert sich bei Polizei Berliner Zeitung/Markus Wächter

Polizist und Grünen-Mitglied Oliver von Dobrowolski hat erneut Vorwürfe gegenüber der Berliner Polizei erhoben. Gerade über Polizistinnen, die in den Beruf einsteigen, würden sexistische Sprüche wie „Muschis“, „Blondchen“, „unsere Fotzen“ gemacht, so von Dobrowolski.

Auch Anmachsprüche wie „Du trägst ja heute wieder deine geile Strumpfhose. Du machst mich echt heiß“, zählten dazu. Diese Beispiele dokumentierte Kriminalhauptkommissar Oliver von Dobrowolski in Buch „Ich kämpfe für eine bessere Polizei“. Er berichtet darin, dass es bei der Besetzung eines Streifenwagens ungeschriebene Vorgaben gebe. So müsste ein Streifenwagen immer mit einem Mann besetzt sein. Frauen im Streifenwagen müssten, obwohl sie die gleiche Ausbildung haben, im Wagen Wache schieben.

Polizeigewerkschaft: Männer machen immer noch Witze

Susanne Bischur vertritt als Beisitzerin die Frauen bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Berlin. Von Seximus kann sie auf Anfrage des Tagespiegel nicht berichten. Auch sei in Sachen Chancengleichheit bei Polizei schon viel passiert. Trotzdem spiele die körperliche Ungleichheit von Mann und Frau im Arbeitsleben der Berliner Polizei eine Rolle. Männer witzelten, Frauen müssten den männlichen Straftätern zurufen: „Hey, lauf mal langsamer – eine Frau läuft dir hinterher.“ Dieses Thema führe immer wieder zu Diskussionen. Männer fühlten sich wegen vermeintlicher Frauenförderung schon mal benachteiligt.

Auch das Aussehen sei immer wieder Thema, sagt Bischur der Zeitung. Gerade wenn Frauen befördert würden, könne es heißen, der Chef habe sie einfach nur aufgrund ihres guten Aussehens gefördert. Das hohe Arbeitspensum, die fachliche Leistung hinter der Beförderung übersähen manche Männer gerne. Bösen Willen erkennt die Gewerkschafterin darin aber nicht. „Das steckt noch so in den Köpfen drin.“ Von Dobrowolski sagt, Männer würden den Fehler nicht bei sich suchen und Frauen dafür gerne zu Sündenböcken machen.