Existenzgefährdete Unternehmen berufen überdurchschnittlich oft Frauen in Führungspositionen. Solche Positionen „auf der gläsernen Klippe“ könnten die Karriere jedoch an den Abgrund führen und seien deshalb eine versteckte Form von Diskriminierung, erläuterten der Konstanzer Organisationsforscher Florian Kunze, der Konstanzer Wissenschaftler Johannes Zaia und der Münchner Wissenschaftler Max Reinwald in der Fachzeitschrift Journal of Management. Die Wissenschaftler hätten bei der Auswertung US-amerikanischer Unternehmensdaten die Bestätigung für das Phänomen gefunden, das bisher nur Theorie gewesen sei, teilte die Universität Konstanz am Montag mit.

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt habe das Bild von der „gläsernen Decke“ geprägt: Frauen können die höchsten Karrierestufen zwar sehen, aber nicht erreichen. Damit verwandt sei die „gläserne Klippe“: Unternehmen in einer schweren Krise sind nach dieser Theorie eher geneigt, Frauen in leitende Positionen zu berufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau in eine Spitzenposition berufen werde, sei den Daten zufolge bei Krisenfirmen tatsächlich rund 50 Prozent höher als bei Firmen in solider Finanzlage.

Wissenschaftler: Frauen in Vorständen symbolisieren Aufbruch und Wandel

Die Wissenschaftler fanden den Angaben zufolge heraus, dass dabei vor allem mit der Außenwirkung bei Investoren gerechnet werde. Plötzlich eine Frau auf einen Vorstandsposten zu berufen, werde als „klares Zeichen für Aufbruch, Wandel, Lernfähigkeit“ betrachtet. „Gläserne Klippen“ fanden die Wissenschaftler nur bei Krisenunternehmen, für die diese Signalwirkung wichtig ist.

Die Wissenschaftler empfahlen zur nachhaltigen Beseitigung der „gläsernen Klippe“ ein gestärktes Bewusstsein für die Gründe, warum und unter welchen Umständen bestimmte Personalentscheidungen getroffen werden. „Der Besetzung von Vorstandsposten sollte ein transparenter und offener Findungsprozess anstelle von Verhandlungen hinter verschlossenen Türen vorausgehen“, forderten sie.