Notlage in Kindermedizin: Das will Berlin jetzt tun

Zur Bewältigung der aktuellen Krankheitswelle sollen in Berlin Medizinstudenten Kinderkliniken und Rettungsstellen unterstützen. Auch bei Krankschreibungen soll es Änderungen geben.

Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen), Berliner Senatorin für Gesundheit und Wissenschaft.
Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen), Berliner Senatorin für Gesundheit und Wissenschaft.dpa/Christoph Soeder

In einem Krisengipfel hat Gesundheitssenatorin Ulrike Gote am Mittwoch im Berliner Abgeordnetenhaus mit Vertretern von Ärzten und Kliniken über Möglichkeiten zur Bewältigung der aktuellen Krankheitswelle in Berliner Krankenhäusern gesprochen. Dies teilte die Senatsgesundheitsverwaltung mit.

Diese Optionen wurden besprochen:
  • Für kranke Kinder sollten nötige Krankschreibungen für Schulen bis auf weiteres ausgesetzt werden. Auf diese Weise würden in den Arztpraxen erhebliche Kapazitäten für die Behandlung der Kinder frei. Hierzu hat sich die Senatsgesundheitsverwaltung bereits an die zuständige Bildungsverwaltung gewandt.
  • Studierende der Medizin sollen aufgerufen werden, sich bei Krankenhäusern zu melden und als Teil der „Mixed-Teams“ die Kinderkliniken, insbesondere in den Rettungsstellen zu unterstützen.
  • Sofort-Einstellung zusätzlichen kinderärztlichen Personals in Notaufnahmen in Verantwortung der jeweiligen Krankenhäuser Ausbau der bereits bestehenden Koordinierungsstelle in der Charité
  • Entbudgetierung, damit Kinderarztpraxen auch am Ende des Jahres noch wirtschaftlich arbeiten können und nicht schließen müssen.

Bereits am Mittwoch hatte die Charité angekündigt, planbare Eingriffe bis auf weiteres zu verschieben. Grund dafür sind der Personalmangel, unter anderem hervorgerufen durch die Dreifachwelle von Corona, Grippe und RS-Virus. In den Gesprächen sei deutlich geworden, dass „in der aktuellen Situation der Personalmangel an Kinderkrankenpfleger:innen und medizinischen Fachangestellten das entscheidende Problem ist“.

Mittel- und langfristig bestehe zudem „dringender Klärungsbedarf“ mit den Krankenkassen über mehr Geld für Personal und Infrastruktur in den Rettungsstellen und den Kinderkliniken. Eine weitere mögliche Lösung sei eine bundesweite Neuregelung der Notfallversorgung. Außerdem müssten Fachkräfte im Pflegebereich gesichert werden.

Eine Entspannung der Lage ist erstmal nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Krankenhausgesellschaft warnt angesichts des fehlenden Personals vor einer Zuspitzung. „Mit der erwarteten hohen Zahl an zusätzlichen RS-Infektionen und weiterhin einem hohen Krankenstand beim Krankenhauspersonal kann sich die Lage über die Weihnachtsfeiertage weiter zuspitzen.“