Göttingen - Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig ist überraschend in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden. Das teilte Innenminister Boris Pistorius dem Polizeipräsidenten am Dienstag telefonisch mit. Die offizielle Begründung: Er habe kein Vertrauen mehr in die Arbeit des Polizeipräsidenten. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien, darunter auch der öffentlich-rechtliche NDR.

Offiziell will sich Pistorius nicht äußern. Weil Lührig als Polizeipräsident politischer Beamter ist, bedarf es keiner offiziellen Erklärung durch den Minister. Lührig wird neben seiner Kritik an der Impfstrategie aber auch vorgeworfen, die politische Verantwortung für Fehler bei Ermittlungen im sogenannten Northeimer Missbrauchsskandal zu haben. Innerhalb der Polizei ist die Kritik aber umstritten. 

Polizeipräsident Uwe Lührig: „Ich verliere das Vertrauen in den Staat.“

Möglicherweise ist Lührigs Kritik an Fehlern beim Impfverfahren der eigentliche Grund für die Entlassung des Polizeipräsidenten. Das zumindest sagt die CDU. Lührig hatte im Januar gesagt, er verliere wegen der Pannen beim Impfen das Vertrauen in den Staat. So habe sein toter Vater einen Brief für einen Impftermin bekommen, seine noch lebende Mutter hingegen nicht. Beim NDR heißt es dazu: „Im Ministerium machte er sich damit keine Freunde, wie zu hören ist.“

Der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler sagte der Bild-Zeitung: „Es liegt auf der Hand, dass diese öffentliche Kritik ihn den Job gekostet hat.“ Pistorius müsse die Hintergründe der Entlassung offenlegen. Lührig selbst sagte dem Göttinger Tageblatt zu dem Vorgang, seine Entlassung habe seiner Ansicht nach auch mit seiner öffentlichen Kritik zu tun.