Die Polizei beschlagnahmte den gemieteten BMW. Er wird jetzt auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren untersucht.
Foto: Morris Pudwell

BerlinNach dem schweren Unfall auf dem Kurfürstendamm führt die Spur zu den Rasern über eine Autovermietung. Der BMW, der am Montagabend mit einem Kleinwagen kollidiert war, ist ein Mietwagen. Bei dem Unfall, der vermutlich bei einem illegalen Autorennen verursacht wurde, wurde eine 45-jährige Frau lebensgefährlich und ihre 17-jährige Tochter schwer verletzt. Die Mutter schwebt nach Angaben der Polizei noch immer in Lebensgefahr.

„Jetzt muss ermittelt werden, ob der Mieter des Wagens auch der Fahrzeugführer war“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch der Berliner Zeitung. Die Frau und ihre Tochter waren gegen 21.20 Uhr in einem Ford Fiesta auf dem Kudamm in Richtung Brandenburgische Straße unterwegs. An der Kreuzung Lehniner Platz ordnete sich der Kleinwagen zum Linksabbiegen ein. Auf der Kreuzung kollidierte der Ford mit einem entgegenkommenden BMW. Nach dem Unfall flüchteten der Fahrer und weitere Insassen des BMW zu Fuß, ohne sich um die Verletzten zu kümmern.

Zeugen zufolge soll sich der Fahrer des BMW mit zwei anderen Fahrzeugen ein Rennen geliefert haben. Die Polizei sucht jetzt Zeugen des Unfalls, die auch die anderen beiden Fahrzeuge gesehen haben. Nach Angaben der Polizei sind bis Mittwochvormittag lediglich vier Hinweise eingegangen.

Die Polizei beschlagnahmte den BMW. Er wird jetzt auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren untersucht. Diese werden dann unter anderem abgeglichen mit den Spuren bereits bekannter Straftäter. Wo die Untersuchung erfolgt, das hält die Polizei geheim. Der Grund dafür sind mehrere Einbrüche auf den beiden schlecht gesicherten KfZ-Sicherstellungsarealen in den letzten Jahren. In mehreren Fällen hatten Kriminelle aus den Dienststellen in Biesdorf und Schöneberg Autos gestohlen, die als Spurenträger sichergestellt worden waren. Es kam auch vor, dass Spuren an Autos vernichtet wurden, indem Einbrecher Feuer legten oder Feuerlöscher im Inneren von Fahrzeugen entleerten.

Bereits im Februar 2016 hatte sich auf dem Kudamm ein tödlicher Unfall ereignet, als sich ein Audi- und ein Mercedesfahrer ein Rennen lieferten. Der Audi rammte dabei den Jeep eines 69-Jährigen, der bei dem Unfall starb. Der Audi-Fahrer wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Als Konsequenz aus dem Unfall wurden illegale Autorennen im Oktober 2017 von einer Ordnungswidrigkeit zu einer Straftat hochgestuft. Die Teilnahme an einem solchen Rennen kann nun mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

Reinhard Naumann, SPD-Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, sprach sich unterdessen im RBB-Inforadio für moderne Blitzer auf dem Kudamm aus. „Ich glaube, wir brauchen diesen Schritt als nächsten Schritt. Denn die Bürgerinnen und Bürger erwarten mit Recht, dass der Staat hier handelt“, sagte er. Naumann räumte ein, dass sich das Problem bei einer Einführung von Blitzern verlagern könnte. 

Tatsächlich kennt die Polizei noch weitere Rennstrecken als nur den Kudamm: etwa die A100, die Badstraße in Gesundbrunnen oder auch den Tiergartentunnel.