Berlin - Die designierte Familienministerin der neuen Bundesregierung, Anne Spiegel (Grüne), hat sich für einheitliches Gendern in Reden, Gesetzestexten und anderen Publikationen ausgesprochen. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte Spiegel am Samstag: „Ich finde gendergerechte Sprache wichtig, auch in staatlichen Dokumenten. Es wäre wünschenswert, wenn die Bundesregierung zu einem einheitlichen Verfahren findet.“

Auch die designierte Außenministerin, Annalena Baerbock (Grüne), hatte sich im Wahlkampf für Gender-Sprache in Gesetzestexten ausgesprochen. Die damalige Kanzlerkandidatin der Grünen sagte gegenüber dem Tagesspiegel: „Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mit zu meinen.“

Umfrage: 65 Prozent der Deutschen lehnen Gendern ab

Bislang hat allerdings ein Großteil der Deutschen keinen Wert auf gendergerechte Sprache gelegt. So ergab eine Umfrage von Infratest Dimap für die Welt am Sonntag (WamS) im Mai, dass 65 Prozent Formulierungen wie „Forschende“ statt „Forscher“ und die Nutzung des großen Binnen-I („ZuschauerInnen“) in der Schriftsprache ebenso ablehnen wie eine Pause vor der zweiten Worthälfte („Akademiker_innen“) in der gesprochenen Sprache.

Grünen-Politikerin Spiegel will sich in ihrem neuen Amt zudem für eine Ausweitung der Frauenquote einsetzen. Es gebe in diesem Zusammenhang „enormen Nachholbedarf“ sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik. Mit einem „Einmal Feministin, immer Feministin“ bekräftigt die designierte Ministerin ihre Vorhaben im Familienministerium.

Die Gender-Debatte wird auch im Nachbarland Frankreich geführt. Dort ist geschlechtergerechte Sprache allerdings offiziell verboten. Jüngst hat der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer durchgesetzt, dass geschlechtergerechte Wortneuschöpfungen an Schulen nicht verwendet werden dürfen.