Einen Tag vor der Eröffnungsfeier der 24. Olympischen Winterspiele in Peking ist das deutsche Team von sechs weiteren Corona-Fällen geschockt worden. Ob unter den Infizierten auch weitere Sportler sind, teilte der Deutsche Olympische Sportbund am Donnerstag zunächst nicht mit. Drei Teil-Mannschaften seien betroffen. Alle Infektionen seien bei der Einreise am Donnerstag festgestellt worden. Die Betroffenen seien symptomfrei und wurden vom Rest des Teams separiert. Zuvor waren Eiskunstläufer Nolan Seegert und ein Betreuer aus der DOSB-Delegation positiv getestet worden.

Bei der Eröffnungsfeier am Freitag (13 Uhr/ZDF und Eurosport) wird das deutsche Team nun mit großen Corona-Sorgen ins Vogelnest-Stadion einmarschieren. Als Fahnenträger wurden Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bei ihrer achten Olympia-Teilnahme und Bobpilot Francesco Friedrich ausgewählt.

„Das ist ein i-Punkt auf meiner Karriere. Das ist für mich mehr wert als alle meine olympischen Medaillen“, sagte Pechstein am Donnerstag. Die Berlinerin ist mit fünfmal Gold und je zweimal Silber und Bronze die erfolgreichste deutsche Teilnehmerin an den Spielen. Bereits am Samstag tritt die 49-jährige über 3000 Meter an. Doppel-Olympiasieger Friedrich befand nach dem Sieg bei einer Wahl des deutschen Teams und von Fans: „Das ist wie ein Ritterschlag in England.“

Thomas Bach weiterhin gegen einen Boykott

Bevor ab Freitag bis zum 20. Februar die insgesamt 109 Entscheidungen in den Blickpunkt rücken, sprach sich IOC-Präsident Thomas Bach zu Beginn der 139. Session des Internationalen Olympischen Komitee gegen einen Boykott aus. Die Spiele dürften nicht zu einem Werkzeug werden, um politische Ziele zu erreichen, sagte der 68-Jährige und nahm Bezug auf einen diplomatischen Boykott, wie ihn westliche Länder wie die USA, Kanada, Großbritannien und Australien beschlossen hatten. Wegen Chinas Menschenrechtsverstößen gibt es scharfe Kritik an Olympia in Peking, wo 2008 bereits Sommerspiele stattfanden.

Bach bekräftigte seine Absicht, sich während der Winterspiele mit der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai zu treffen. Die 36-Jährige werde dafür in die streng abgeschirmte Corona-Blase kommen. Die frühere Weltranglisten-Erste im Tennis-Doppel hatte Anfang November im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker veröffentlicht. Der Post wurde bald danach gelöscht. Seither äußerten Sportler, Politiker und Menschenrechtler Sorge um ihr Wohlergehen.

Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser (SPD) drückt dem deutschen Team die Daumen, betonte am Donnerstag aber auch, die Welt schaue nicht nur auf den Sport, sondern auch auf die Lage der Menschenrechte in China und insbesondere der Meinungsfreiheit. Faeser reist nicht zu den Spielen. Ein Ministeriumssprecher hatte im Dezember erklärt, sie tue dies „schon aus Pandemiegründen“ nicht.

Kurz vor Beginn gab es noch weitere Corona-Fälle. Zu ihnen zählt Jarl Magnus Riiber, der norwegische Gold-Favorit in der Nordischen Kombination. Auch sechs russische Eishockeyspielerinnen wurden positiv getestet.