Nach Ansicht des Labormediziners Karsten Mydlak sollten zur Entlastung der Labore auch anerkannte Antigentests verwendet werden dürfen. „Wir haben jetzt irgendwann eine Situation, wo man auch Mut zu solchen Lücken haben muss“, sagte der Leiter des Gemeinschaftslabors Cottbus MVZ der Deutschen Presse-Agentur. Um die Quarantäne zu verkürzen seien nach Expertenaussagen auch Antigentests geeignet. Freitestungen mit einem PCR-Test bei leichteren Verläufen würde die Kapazität der Labore nur „verstopfen“, schätzte der Mediziner die Lage ein. Die Labore warteten nach den Beschlüssen der Gesundheitsminister und Ministerpräsidenten der Länder auf eine Empfehlung der Experten.

In der fünften Corona-Welle sind in Deutschland erneut Höchstwerte bei der Zahl wöchentlicher PCR-Tests und dem Anteil positiver Befunde erreicht. In der vergangenen Woche seien rund 2,4 Millionen dieser verlässlichen Untersuchungen durchgeführt worden, hatte der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) am Dienstag mitgeteilt und sich auf Daten von rund 180 Laboren berufen. „Die Auslastung der Labore wird im bundesweiten Durchschnitt mit 95 Prozent angegeben und erreicht somit in den meisten Bundesländern die Belastungsgrenze.“

Labor Cottbus MVZ: 300 Mitarbeiter schaffen 12.000 PCR-Tests pro Woche

Das Gemeinschaftslabor Cottbus MVZ mit sechs Standorten im Süden bis zum Einzugsgebiet Teltow-Fläming schafft mit insgesamt 300 Mitarbeitenden bis zu 12.000 PCR-Tests in der Woche. „Momentan können wir das noch leisten“, so Mydlak. Die Auslastung liegt ihm zufolge derzeit noch zwischen 50 und 60 Prozent, Tendenz steigend. Er rechnet damit, dass die Omikron-Variante noch stärker ankommt.

Der Laborverband ALM hatte die geplante Priorisierung bei PCR-Tests mit Blick auf die aktuelle Belastung der Labore als „richtig, wichtig und notwendig“ bezeichnet. Auch müssten Kapazitäten vorgehalten werden, damit sich Klinik- und Pflegepersonal nach einer Infektion rasch aus der Isolation freitesten kann.

Eine Priorisierung bei den PCR-Tests begrüßt auch der Cottbuser Mediziner. Grundsätzlich gehe es darum, bei Menschen mit schweren Krankheitsverläufen PCR-Tests freizuhalten sowie für Mitarbeitende der kritischen Infrastruktur. Mydlak fordert für die Priorisierung allerdings eine „Durchführungsanleitung“ für die Labore. Dafür müsse die nationale Teststrategie angepasst werden. Momentan fehlten noch klare Vorgaben.