Berlin - Der Corona-Gipfel in der Nacht zu Donnerstag war ein Marathon, bei dem die Nerven mit zunehmender Fortdauer blank lagen. Vor allem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) führten die Verhandlungen darüber, ob und wann ein zumindest in Ansätzen normales Leben in Deutschland wieder möglich sein wird, auf einem teils sehr emotionalen Niveau. Für die Bild-Zeitung ein gefundenes Fressen. In der Sondersendung von Springers Bild TV amüsierte sich der stellvertretende Chefredakteur, Paul Ronzheimer, prächtig über die verbalen Ausfälle der Spitzenpolitiker. So sehr, dass er mitunter aus dem Lachen und Prusten nicht mehr herauskam – obwohl es bei den Verhandlungen um die Zukunft und teils die nackte Existenz von Millionen Deutschen ging.

Ohne Frage war der Moderationsmarathon in gewisser Hinsicht eine Leistung, die es zu respektieren gilt – fast 15 Stunden standen Ronzheimer und seine Kollegin Nele Würzbach vor der Kamera. Dabei blickte Ronzheimer regelmäßig auf sein Handy und bekam offensichtlich Direktinfos aus den Verhandlungen der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dass diese Infos direkt und live an die Öffentlichkeit gegeben werden, ist in dieser Geschwindigkeit in der deutschen Medienlandschaft tatsächlich einzigartig. Ronzheimer hätte also glänzen können – wenn da nicht seine albernen und überdreht wirkenden Lach- und Kicherattacken gewesen wären.

Erinnerungen an das Moderatoren-Duo Dirk Bach und Sonja Zietlow

Bei allem Respekt vor der journalistischen Leistung, mitunter fühlte man sich bei dem Duo Paul Ronzheimer/Nele Würzbach an die Kombination Dirk Bach/Sonja Zietlow aus den frühen Tagen des Dschungelcamps erinnert. Als Söder nach Bild-Informationen mit Sätzen wie „Ich weiß nicht, was Sie getrunken haben“ und „Sie sind hier nicht Kanzler“ herumpolterte, freute sich das Moderatoren-Duo, als würden hier zwei B-Promis aufeinander losgehen.

Und als Markus Söder Vize-Kanzler Olaf Scholz am späten Abend anblaffte: „Da brauchen Sie gar nicht so schlumpfig herumzugrinsen“, gab es für Ronzheimer kein Halten mehr. Während er sich in einer heftigen Lachattacke schüttelte und seine Moderation unterbrechen musste, frohlockte seine Kollegin Würzbach sinngemäß, mit „schlumpfig herumgrinsen“ sei eine neue Wortkombination erschaffen worden, die man künftig womöglich öfter hören werde.

Mit den ohne Frage exzellenten Infos des stellvertretenden Chefredakteurs der Bild-Zeitung hätte die Sondersendung zur Ministerpräsidentenkonferenz ein Paradestück des modernen Journalismus werden können. Doch die offene Freude der Moderatoren über die verbalen Ausfällen deutscher Spitzenpolitiker hat den Fokus der Berichterstattung in eine unwürdige und falsche Richtung verschoben.

Eine  – wie auch immer geführte – politische Debatte über den weiteren Fortgang des Lockdowns ist kein Dschungelcamp. Sondern entscheidend für die Zukunft unseres Landes.