Längere Wartezeiten: Finanzämter überfordert mit Steuererklärungen

Steuerzahler sollen in diesem Jahr deutlich länger auf etwaige Rückzahlungen warten. Schuld seien auch die Entlastungspakete der Regierung.

Wegen vielfacher Mehrarbeit stimmt die Finanzverwaltung die Bürger auf längere Wartezeiten ein.
Wegen vielfacher Mehrarbeit stimmt die Finanzverwaltung die Bürger auf längere Wartezeiten ein.dpa/Monika Skolimowska

Gut drei Wochen vor Fristende zur Abgabe der Steuererklärung für die neue Grundsteuer kommen die Finanzämter wegen des Mehraufwands mit ihrer Arbeit kaum noch hinterher. „Die Finanzverwaltung steht kurz vor dem Kollaps. Die Gründe sind vielfältig. Aber der Hauptgrund ist die Erklärung“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Florian Köbler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Sonntag.

In Berlin hatte vor gut einer Woche nicht einmal die Hälfte der Betroffenen ihre Grundsteuererklärung abgegeben. In anderen Bundesländern sieht es ähnlich aus – dennoch kommen die Ämter schon jetzt an ihre Grenzen. Zur Bearbeitung der vorliegenden Erklärungen hätten die Kommunen bereits sehr viele Kräfte abgestellt. Hinzu komme, dass die Politik der Finanzverwaltung im Zusammenhang mit den jüngsten Entlastungspaketen zahlreiche Zusatzaufgaben aufgehalst habe.

Köbler: Bearbeitungsdauer „eher drei Monate“

Durch die im Jahr 2019 beschlossene Grundsteuerreform greifen ab 2025 neue Methoden für die Berechnung der Steuer. Wegen der schleppenden Abgabe hatte das Bundesfinanzministerium die Abgabefrist bereits um drei Monate von Ende Oktober auf Ende Januar verlängert.

Die Umstände verzögern Gewerkschaftschef Köbler zufolge auch die Bearbeitung der aktuellen Einkommensteuererklärungen für Arbeitnehmer und Selbstständige. „Ich gehe davon aus, dass bundesweit 50 Prozent mehr unbearbeitete Einkommensteuererklärungen auf Halde liegen als im Vorjahr“, so Köbler. „Der Bürger muss länger auf die Steuerbescheide und damit auf mögliche Erstattungen warten.“ Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer dürfte von anderthalb Monaten auf „eher drei Monate“ steigen.