Flüchtlingszahlen steigen: In Berlin fehlen 4500 Plätze für die Unterbringung

Rund 32.000 Flüchtlinge hat Berlin derzeit untergebracht. Bis zum Jahresende sollen es noch deutlich mehr werden. Der Staatssekretär für Soziales fordert mehr Unterkünfte. 

Die Container am Columbiadamm auf dem Tempelhofer Feld sind Unterkünfte für Geflüchtete.
Die Container am Columbiadamm auf dem Tempelhofer Feld sind Unterkünfte für Geflüchtete.Lena Lachnit/dpa

In Berlin droht ein Engpass bei der Unterbringung von Geflüchteten, wenn nicht schnell zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Allein bei Asylbewerbern sei bis Jahresende mit weiteren 9200 bis 10.300 Menschen zu rechnen, sagte der Staatssekretär für Soziales, Aziz Bozkurt (SPD). Die Zahl der Asylbewerber liege bisher 40 Prozent über dem Vorjahr. Ab Anfang August sei sie noch einmal spürbar gestiegen, darunter seien zunehmend auch viele Menschen kurdischer Abstammung aus der Türkei.

Bozkurt, derzeit in Personalunion stellvertretender Leiter des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), rechnet damit, dass von den Asylsuchenden rund 3500 in Berlin bleiben und untergebracht werden müssen. Darüber hinaus sei bis Jahresende mit weiteren 1000 Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine zu rechnen, für die Unterbringungsmöglichkeiten nötig seien.

Neue Flüchtlingsunterkünfte auf den Flughäfen Tegel und Tempelhof

Da die Kapazitäten in Berlin aktuell ausgeschöpft seien, fehlten unterm Strich 4500 Plätze, die neu geschaffen werden müssten. Aus Bozkurts Sicht geht das nur mit einer Ausweitung der Unterbringungskapazitäten auf den Flächen der ehemaligen Flughäfen Tegel und Tempelhof und mit einer deutlich intensiveren Nutzung von Hotels und Hostels.

Anzeige | Zum Weiterlesen scrollen

„Die Kapazität in den Unterkünften liegt quasi bei null“, teilte LAF-Sprecher Sascha Langenbach der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. „Es stehen noch 274 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften zur Verfügung.“ Bereits belegt seien 31.889 Plätze (Stand 15. September).

„Eine Reserve muss das LAF für Menschen aus dem Landesaufnahmeprogramm vorhalten, die im September in Berlin erwartet werden“, so Langenbach. Das seien rund 230 Personen. „Auch im September 2023 sind die Ankunftszahlen sehr hoch und mit den zur Verfügung stehenden Plätzen nicht in Korrelation zu bringen.“

Berlin: Fast 21.000 Geflüchtete seit Anfang des Jahres

Allein in diesem Jahr seien rund 6000 Plätze geschaffen worden, sagte Bozkurt. Angesichts der Entwicklung bei den Flüchtlingszahlen sei das aber nicht ausreichend. „Wir sind komplett voll.“ Das LAF habe im April eine Prognose abgegeben, nach der je nach Entwicklung im Dezember oder bereits Anfang September alle Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften belegt sein könnten. Das Worst-Case-Szenario sei jetzt eingetreten.

In den Monaten von Januar bis August haben 9936 Personen Asyl in Berlin gesucht. Im Vorjahreszeitraum waren es nach LAF-Daten rund 3000 weniger. Allein in den beiden vergangenen Monaten Juli und August sind 1506 beziehungsweise 1869 Asylsuchende nach Berlin gekommen. Hauptherkunftsländer sind Syrien, die Türkei, Afghanistan, Georgien und Moldau. Gleichzeitig kamen von Januar bis August etwa 11.000 Menschen aus der Ukraine nach Berlin – zusammen also rund 21.000.

Sozialsenatorin Kiziltepe: „Kein Mensch landet auf der Straße “

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sieht noch keine Trendwende: „Die Zuwanderung nimmt nicht ab, und mit dem kommenden Winter kann es sein, dass sich die Lage wieder dynamisiert. Darum brauchen wir alle Flächen und Projekte, die wir verwirklichen können“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „In meiner idealen Welt würden wir alle Unterkünfte klein und individuell in die Kieze integrieren.“

Das seien die besten Lösungen, um Integration schnellstmöglich und bestmöglich zu erreichen. „Tatsache ist aber auch, wir brauchen weiterhin Großunterkünfte, weil unsere klare Ansage weiterhin gilt: Jeder Mensch, der nach Berlin kommt und Hilfe sucht, bekommt ein Bett und ein Dach über dem Kopf“, erklärte die SPD-Politikerin.

„Was in unserer Stadt vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, von der Zivilgesellschaft und unserer Verwaltung seit 2015 und seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine geleistet wurde, das ist etwas, worauf wir stolz sein können“, sagte Kiziltepe. „Kein Mensch, der in Berlin Hilfe sucht, landet auf der Straße.“