„Lala Berlin“-Gründerin hofft auf Veränderungen im Iran

Im Kindesalter verließ sie mit ihrer Familie den Iran. Später gründete Leyla Piedayesh eines der bekanntesten Modelabels Berlins. Im Gespräch erzählt sie, we...

PRODUKTION - Leyla Piedayesh, Gründerin des Modelabels lala Berlin.
PRODUKTION - Leyla Piedayesh, Gründerin des Modelabels lala Berlin.Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild

Berlin-Modeschöpferin Leyla Piedayesh (51) hofft angesichts der Proteste im Iran auf dauerhafte Veränderungen in dem Land. Die Designerin wurde im Iran geboren, kam im Kindesalter nach Deutschland und gründete später das Modelabel „Lala Berlin“. „Ich hoffe, dass sich alles ändert“, sagte Piedayesh. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Hidschab in der Form, wie er bisher auferzwungen worden ist, noch existenzfähig sein kann.“

Sie hoffe, dass die Regelung zum Tragen eines Kopftuchs aber nicht das einzige sei, was sich ändern werde, sondern dass da mehr komme, sagte Piedayesh der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe nicht bloß um Reformen, sondern um eine Veränderung des gesamten Systems.

Im Iran demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem. Auslöser der Proteste war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verstoßen haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam.

Gemeinsam mit anderen Frauen engagiert sich Piedayesh nun. Ihren Angaben zufolge hat sich eine Gruppe iranischer Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammengefunden. Bei ausgewählten Veranstaltungen dieses Kollektivs soll ein Pullover für den guten Zweck verkauft werden. „So ergeben sich auf einmal Netzwerke und Verbindungen, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren und dass sie so viel bewirken können.“

„Das ist auch etwas ganz Neues für mich. Obwohl ich zwar mit meiner gesamten Familie in Wiesbaden aufgewachsen bin, war um mich herum eigentlich alles sehr deutsch“, sagte Piedayesh. „Ich hatte deutsche Freunde und gar nicht so eine große persische Community außer meiner Familie.“ Rückblickend habe ihr das etwas gefehlt. Auch ihr Vater habe sich mit der Lyrik und der Musik aus dem Iran oft alleine beschäftigt, weil er den Anschluss nicht gefunden habe.

Wie steht sie selbst zum Kopftuch, über das nun auch im Iran gestritten wird? „Meine Oma hat eines getragen und fünfmal am Tag gebetet. Ich bin damit aufgewachsen. Insofern ist das für mich kein ungewöhnliches Bild gewesen“. Es sei aber etwas anderes, wenn der Staat einen zwinge, als wenn man es freiwillig und von Herzen trage. Nach ihrer Beobachtung waren die Regeln im Iran nach der Revolution früher sehr streng - „keine einzige Strähne, kein Make-up“. Dann seien sie lockerer gehandhabt worden. „Und genau das haben sie in den letzten fünf Jahren sukzessive wieder verschärft.“

Wenn man sich informieren will über den Iran: Gibt es ein Buch oder einen Film, den sie unbedingt weiterempfehlen will? „Ich würde zum einen jedem empfehlen, bei Arte, in der ARD Mediathek oder auch bei Netflix oder Amazon „Iranfilme“ zu suchen und nach Lust und Laune zu stöbern.“ Sie empfiehlt zum Beispiel Filme der Regisseure Hossein Pourseifi und Ali Soozandeh. Zum anderen sei Instagram gerade das aktuellste Medium. Zum Beispiel hätten Joko und Klaas ihre beiden Accounts bis auf weiteres zwei iranischen Aktivisten zur Verfügung gestellt.

„Auch für mich als 51-jährige Frau ist es etwas Einmaliges zu sehen, dass diese Kraft von dem Land, aus dem ich komme, etwas weltweit Solidarisches entfalten kann. Und die Hoffnung in sich trägt, etwas zu ändern, worunter so viele Menschen so viele Jahre gelitten haben“, sagte Piedayesh. „Diese Revolution, angeführt von Frauen in Iran, was bewirkt sie eigentlich für all die anderen Frauen da draußen? Schaffen wir es, eine Wende herbeizuführen?“